Unterwegs auf dem Camino Mozárabe von Málaga nach Mérida und weiter nach Badajoz
Tag 2 (Fr, 17.4.2026) Von Almogia nach Villanueva de la Concepción (18,5 km)
Mit weniger als 20 Kilometern war das heute eigentlich nur ein Spaziergang, aber die 17 km der morgigen Etappe ran zuhängen erschien mir in Anbetracht des bergigen Geländes etwas gewagt. Und irgendwas dazwischen ist nicht möglich, weil es zwischen den empfohlenen Etappenorten nichts gibt. Also lege ich heute (und morgen) mal einen halben Ruhetag ein.

Hinter Almogía ging es zunächst auf einem Trampelpfad ziemlich steil bergab und dann, wie zu erwarten, natürlich wieder bergauf. Zwischendurch war immer mal ein kleines Rinnsal zu überqueren. Dabei habe ich stets an die schaurigen Berichte von Schlamm- und Wasser­schlachten gedacht, die meine Pilgerbekanntschaft Tina im vorigen Jahr von diesem Weg geschickt hat.

Fast zehn Kilometer vor Erreichen meines heutigen Ziels, war dieses bereits zu sehen: Villanueva de la Conceptión. Das ist ein Ort mit etwa 3500 Einwohnern und überwiegend weißen Häusern, der sich an einen Berghang schmiegt. Wie eine Kulisse steht dahinter eine Felswand, die bis in 1200 Meter Höhe reicht. Das sieht sehr majestätisch aus und nach jeder Kurve des Weges ging der Blick zuerst in diese Richtung, um zu sehen, ob man näher gekommen ist. Aber danach sah es lange nicht aus. In der anderen Richtung waren die schon durchquerten Täler und Berghänge zu sehen, die nur mit einzelnen Gehöften bestückt sind.

Nach fortgesetztem Auf und Ab kam ich dann aber auf einen befahrbaren und in halbwegs gleicher Höhe verlaufenden Weg, auf dem ich gut vorankam. Der führte allerdings kurz vor Erreichen der Landstraße ziemlich steil bergab. Da konnte man bei dem Split und Kies auf betonharten Boden leicht ins Rutschen kommen, was mir mal wieder eine aufgeschlitzte Hose und ein geschrammtes Knie beschert hat. Vielleicht mache ich mir auf der anderen Seite auch noch einen Schlitz ins Hosenbein, dann sieht es aus, als müsse das so sein. Heerscharen an Teenagern laufen mit aufgeschlitzten Hosen rum. Am Ende dieses Weges wäre am Río de Campanillas auch noch eine Furt zu durchqueren gewesen, aber die war so tief, dass man nicht mit trockenen Füßen durchgekommen wäre. Ein paar Meter seitlich hat aber jemand an einer schmalen Stelle eine Metall-Bohle über das Flüsschen gelegt, auf der man gefahrlos und trockenen Fußes ans andere Ufer gelangen konnte.

Damit war auch schon die von Málaga nach Villanueva de la Conceptión führende Straße (A-7075) erreicht. Von der hätte man aber lt. Karte gleich wieder runter sollen, recht steil berg­auf und im rechten Winkel wieder runter, um eine unübersichtliche Kurve der Straße zu um­gehen. Aber in Anbetracht der Wegequalität erschien mir die Kurve als das geringere Risiko. Da nicht viel Verkehr war, bin ich auch gut durchgekommen. Die Mehrzahl der Kraft­fahrer weicht ja großzügig aus, wenn man am Straßenrand läuft, aber ein paar ältere Herr­schaften trauen sich nicht, dafür eine durchgezogene Mittellinie zu überfahren. Da zwängt man sich doch lieber an die Leitplanke.

Hinter der Kurve stieß auch der ausgeschilderte Weg auf die Straße, die scheinbar direkt auf die Stadt zuläuft, dann aber nach links schwenkt, um im Zick-Zack bergauf die Stadt zu erreichen. Der Camino zweigt jedoch schon vorher rechts ab und führt in gleicher Weise in die Stadt. Das letzte Stück, schon im Ort angekommen, war dann nochmal recht heftig. Die Leute hier müssen alle gut durchtrainiert sein, wenn sie tagtäglich die steilen Straßen hoch und runter laufen.

Da ich nur einmal eine längere Pause gemacht habe, war ich schon um halb zwei am Ziel, also noch vor der um zwei beginnenden Siesta. So konnte ich mir noch für den Nachmittag was zu essen und zu trinken besorgen. Zum Glück bin ich nicht gleich in einen der vielen kleinen Läden oder Kioske, wie sie auch genannt werden, sondern bis zu einem Supermarkt, den ich mir habe beschreiben lassen. Das ist ein „Coviran“, der zwar nicht viel größer als die kleinen Krämerläden ist, aber die Preise einer großen Ladenkette hat. Mein Lieblingsgetränk, das in allen anderen Ketten um die 89 Cent kostet, gibt es hier 20 Cent billiger. Der Abend ist gerettet!

Es ist wirklich komisch und ungewohnt, schon kurz nach dem Mittag in der Herberge zu sein. Die beiden Holländerinnen, Mutter und Tochter aus Nijmegen, waren längst da und auf mein Klopfen wurde mir aufgetan. So brauchte ich nicht bei der Nachbarin nach dem Schlüssel fragen. Das lettische Paar, das nach mir aufgebrochen ist, ist hier nicht angekommen, ob­wohl die auf dem Meldezettel als nächstes Ziel Villanueva de la Conceptión angegeben haben. Vielleicht sind sie hier in einer Pension untergekommen.

Wenn man viel Zeit hat, dann passiert es leicht, dass man die vertrödelt. Ich habe mir erstmal mit heißem Wasser aus der Mikrowelle eine Instant-Suppe bereitet, mein Willkommen-Bier genossen und dann meine Wäsche gewaschen. Das hätte ganz einfach sein können, denn in der Küche steht eine Waschmaschine und daneben finden sich zwei Kanister mit Wasch­mittel. Aber ich konnte, wie schon die Damen zuvor, der Maschine nur den Fehlercode 1 entlocken. Also war Handwäsche angesagt und dabei Eile geboten, da die Sonne allmählich hinter dem Nachbarhaus verschwand und der ummauerte Hinterhof damit im Schatten lag. Mit Sonne hätte das Trocknen vielleicht nur eine Stunde gedauert, so musste ich mich bis zum Abend gedulden.

Nach getaner Arbeit war es höchste Zeit für ein Mittagsschläfchen. Der ist aber etwas missglückt, da die Herberge direkt neben der Musikschule liegt und dort offenbar für einen Festumzug geprobt wurde, also alle tragbaren Instrumente zum Einsatz kamen. Mit dem Stadtbummel habe ich gewartet, bis die Siesta vorbei und der Ort nicht so ausgestorben war. Außerdem musste ich mich mit den Damen abstimmen, weil wir nur einen Schlüssel haben. Als die von ihrer Einkaufstour zurück waren, habe ich mich auf den Weg gemacht und den Ort erkundet. Es gibt hier recht viele Geschäfte, darunter auch einen „Dia“, in dem ich mich fürs Abendbrot eingedeckt habe.

Eindrucksvoll sind die alles überragenden Felsen, die immer wieder hinter den Häusern zu sehen sind. Am Ende der Hauptstraße hat man ein Aussichtsplateau gebaut, von dem man einen guten Blick auf die Felsen hinter der Stadt, die Berge ringsum und das Meer hat. Wie den ganzen Tag über waren nur wenige Wolken am Himmel. Dazu gesellten sich aber ein paar schwarze, die ihren Ursprung an der Küste östlich von Málaga hatten. Da scheint es also schon wieder zu brennen. Zum Glück ist das entgegengesetzt zu der Richtung, in die ich laufe. Die Spanier setzen aber auch in ihren Plantagen alles in Brand, was man nicht es­sen kann. Ich habe heute mehrere solcher kleinen Feuer zwischen Olivenbäumen gesehen. Da kann schnell mal eins außer Kontrolle geraten.

Camino Mozárabe - Tag 2