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Unterwegs auf dem Camino Mozárabe von Málaga nach Mérida und weiter nach Badajoz | ![]() |
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Tag 4 (So, 19.4.2026) Von Antequera nach Villanueva de Algaidas (25,4 km)
Ich habe in meinem Zwei-Sterne-Bett hervorragend und lange geschlafen. Auch die warme Dusche habe ich genossen. Es war schon um acht, als ich runter in die Gaststätte bin, um dort mit „Café con leche“ und Tomatentoast mein Lieblingsfrühstück zu mir zu nehmen. Um halb neun bin ich dann gestartet, zunächst zur Santiago-Kirche, wo ich gestern als Schlafgast abgewiesen wurde, und dann auf dem in der Karte vermerkten und mit Bronze-Muscheln auf dem Gehsteig markierten Jakobsweg raus aus der Stadt. Die Route hat man freundlicherweise so gelegt, dass man nochmal einen schönen Blick auf die Rückseite der Alcazaba hat.
Hinter dem Ort ging es auf einer kaum befahrenen Straße immer auf den Peña de los Enamorados zu, einen 878 Meter hohen Felskegel mit abgeschlagener Spitze, der aus der weniger als 500 Meter hohen Landschaft ragt. Der hat eine spektakuläre Steilwand, die aber leider in ihrem eigenen Schatten lag. Ich habe gehofft, dass die Sonne so schnell ihre Bahn zieht, dass ich die Felswand beleuchtet zu sehen bekomme - so wie gestern aus der Ferne. Aber bevor die Sonne so weit war, bog der Weg ab und passierte auf einer Brücke und dann in einer Unterführung die sich hier kreuzenden Autobahnen A-45 und A-92. Die Unterführung teilt sich der Camino mit dem Río Guadelhorce, der hier sehr gesittet als schmales Flüsslein dahinfließt. Dass der auch anders kann, lässt sich aus dem Treibholz schließen, das etwa vier Meter über dem Weg unter den Brückenbalken klemmt. Hier war also vor einiger Zeit gar kein Durchkommen. Ich habe in der schattigen Unterführung die Steine zwischen Weg und Fluss für eine Pause genutzt. Viele Sitzgelegenheiten gibt es hier nicht am Weg, erst recht keine im Schatten. Ich weiß, dass ich mit meinem Wetterbericht alle ärgere, die gerade mieses Wetter haben, aber hier sind 25 Grad - bis zum Mittag bei wolkenlosem Himmel, dann zogen ein paar Deko-Wölkchen auf. Ich hoffe, meine Sonnencreme spielt da mit. Ich wollte dem Alter entsprechend eine 65+ haben, aber bei Roßmann gab es nur 50+. Weiter ging es dann auf einem breiten, glatten Weg ohne Auf und Ab durch Olivenhaine und vorbei an Getreidefeldern bis ins nächste, einzige Dorf auf dem Weg, Cartaojal. Wider Erwarten gab es in dem Straßendorf sogar eine Bar, wo ich eine längere Pause eingelegt habe. Der Weg war zwar bislang nicht anstrengend, aber die Hitze hat einem zu schaffen gemacht. Nachdem ich das nicht sonderlich leckere „Cruzcampo“ aus dem Hahn mit einem „Estrella Galicia“ aus der Flasche runtergespült hatte, ging es mir besser. Sind mir bisher immer mal Bäuerlein im Auto, Jugendliche auf Mopeds oder alte Herren auf Rennrädern begegnet, gab es hinter Cartaojal gar keine menschlichen Kontakte mehr, sondern nur noch Olivenbäume und zwischendurch mal Kaninchen. Denen galten wohl die Schüsse, die immer wieder im Olivenhain fielen. Ich habe darauf vertraut, dass alle Jäger gute Brillen haben und bin tatsächlich nicht getroffen worden. Ein paar Hunde haben versucht, mich zu vertreiben, aber solange die hinterm Zaun waren, bin ich ihnen mutig entgegen getreten. Der Weg verlief lange ziemlich geradeaus und auf gleicher Höhe. Da hat das Laufen Spaß gemacht und der Split auf der Straße keine Rolle gespielt. Erst im letzten Viertel der Strecke ging es bergauf und hinter einem unscheinbaren Pass runter in eine sehr weite Ebene. Inzwischen waren Wölkchen aufgezogen und es blies der auf Pässen übliche Wind, wodurch das „Bergsteigen“ auszuhalten war. Bergab musste ich auf den Split aufpassen und bin deshalb nur langsam, aber sicher im Tippelschritt vorwärts gekommen. Auf den letzten Kilometern vorm Ziel wurden die endlosen, mitunter verwilderten Olivenhaine mit teils uralten Bäumen durch Neuanpflanzungen abgelöst. Da hat man die neuen Bäume wie Weinreben oder Obstbäume in etwa 1,5 Meter Abstand in schnurgeraden Reihen mit rund 3 Meter Zwischenraum gepflanzt. Nur so lassen sich vermutlich die Oliven mit Maschinen vom Baum holen. Wie genau, das würde ich gern mal sehen. Ich hab nur mal bei einer manuellen Ernte zugeschaut, bei der Männer Netze ausgelegt und mit Stöckern auf die Bäume geprügelt haben. Das sah mir nach ziemlich viel Aufwand aus. Kurz vor dem Ziel wurde das Auge durch Schornsteine getrübt, die hinter einer Plantage hervorragen und neben weißen auch graue Schwaden ausstießen. Da letztere nach Teer rochen und hinter einem Zaun ein großes Becken mit schwarzem Schlamm auftauchte, vermute ich, dass es sich um eine Bitumenfabrik handelt. Die Rauchschwaden zogen zum Glück nicht zum Ort, sondern genau in entgegengesetzter Richtung. Aber da war das ganze Tal in Rauch gehüllt. Und wir müssen unsere neuen Heizungen alle ein…zwei Jahre auf Einhaltung der Abgaswerte überprüfen lassen! Mein heutiges Etappenziel, Villanueva de Algaidas, ist ein unscheinbarer, aber gar nicht so kleiner Ort. Obwohl in der Karte nichts vermerkt war, bin ich auf der Hauptstraße gleich an der ersten Ecke von zwei Gaststätten überrascht worden. Und das waren nicht die einzigen. Aber ich bin ganz tapfer vorbei an solchen Verlockungen zur Herberge gelaufen. Es ist ja immer etwas ungewiss, wie leicht man an den Schlüssel kommt. An der Herberge angekommen, habe ich gesehen, dass dort schon jemand ist. Nach kräftigem Klopfen wurde mir aufgetan: das lettische Ehepaar hatte sich hier schon einquartiert - als einzige in der ganz ordentlichen 24-Betten-Herberge. Die haben mich eingelassen und mir erklärt, wo das Polizeirevier ist, auf dem man sich melden und den Schlüssel holen muss. Ich habe also nur schnell meinen Rucksack abgestellt und bin dann zum Revier, das sich im Rathaus befindet. Da war aber niemand und zwei Herren, die vor der benachbarten Kneipe saßen, haben mir erklärt, dass die Polizisten gerade auf Streifenfahrt sind und dass ich doch in der Kneipe den Wirt nach der Telefonnummer fragen soll. Der war dann so nett und hat gleich angerufen, was mir sehr gelegen kam. Man überlegt ja manchmal, wie man sich für eine besondere Freundlichkeit bedanken kann. Bei einem Wirt fällt mir da sofort was ein, vor allem, wenn er „Estrella Galicia“ in der Kühltruhe hat. Ich war noch bei dem als Dank erworbenen Getränk, da kam schon ein Polizist und hat mich ins Revier abgeführt. Da bekam ich im Tausch für meine Personalien einen Stempel und den Herbergsschlüssel. Weil der Wirt mein angefangenes Bier auf dem Tresen und noch kein Geld in der Kasse hatte, habe ich mich dort nochmal niedergelassen. Mir genau gegenüber stand die Tafel mit den verfügbaren Tapas und ich habe mir da mal zur Probe „Lomo con salsa“, also Lende mit Soße bestellt. Das ist hier ein Standardessen, das ich schon oft hatte. Was ich da auf dem Teller hatte, war wirklich lecker. Da kam mir die Idee, doch noch ein zweites Tapa zu bestellen, denn dann wäre ich so satt, dass ich mir kein Abendbrot machen muss. Ich habe mir also zum Einheitspreis von 3,50 € (ausgenommen ein paar Meeresfrüchte) noch ein zweites Tellerchen bestellt, dieses Mal mit „Carrillada“ - lt. Übersetzungsprogramm „Wange“, was man bei uns eher als „Schweinebacke“ bezeichnet. Dazu dünne Kartoffelscheiben in leckerer Soße. Das war keine schlechte Wahl. Danach bin ich aber aufgebrochen, um zu sehen, ob der Schlüssel auch passt. Und siehe da, eins der vielen Schlösser an der Herbergstür hat den Schlüssel akzeptiert und mich eingelassen. |
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Camino Mozárabe - Tag 4 | ![]() |