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Unterwegs auf dem Camino Mozárabe von Málaga nach Mérida und weiter nach Badajoz | ![]() |
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Tag 7 (Mi, 22.4.2026) Von Cabra nach Baena (22,5 km)
Obwohl die Matratzen der ganz neuen IKEA-Betten sehr dünn und die Latten darunter zu spüren waren, habe ich ganz gut geschlafen - ausnahmsweise freiwillig oben, denn da kam man fast ohne Leiter rein, während man unten beinahe auf dem Boden gelegen hätte. Das Fenster direkt neben dem Bett stand die ganze Nacht offen, trotzdem hat eine dünne Steppdecke ausgereicht.
Die Wirtin des „El Tren“ hat mir gestern noch gesagt, dass sie ab halb acht die Gaststätte offen hat und ich dort frühstücken könnte, falls ich nicht wie angekündigt schon um sieben aufbrechen will. Darum habe ich morgens keine Eile an den Tag gelegt, sondern so lange im Bett rotiert, bis es Zeit war zu packen, um pünktlich halb acht in der Gaststätte zu sein. Da war ich nicht der Erste. Alle möglichen Arbeiter haben sich da vor Arbeitsbeginn einen Kaffee geholt - mit oder ohne Schnaps. So auch drei Frauen mit Warnwesten, die ich später wiedergetroffen habe, als sie die Wegränder mit Hacken vom Unkraut befreit haben. Nach zwei „Café con leche“ und einem Tomaten-Toast bin ich aufgebrochen, nicht ohne vorher noch einmal die große Dampflock der ehemaligen „Ölbahn“ (El Tren Aceite) zu inspizieren. Dank dieser Bahn konnte ich heute die ersten 12 km ganz mühelos auf ebener Strecke zurücklegen. Leider war auf der ersten Hälfte der nur 1…2 cm dicke Asphalt überall aufgebrochen und löchrig, so dass man stets auf den Boden schauen musste, statt sich umschauen zu können. Viel gab es allerdings nicht zu sehen: ringsum Hügel und darauf fast ausschließlich Olivenhaine. Dazwischen immer mal ein Traktor mit angehängtem Tank, der die Bäume besprüht. Naiv wie ich bin, habe ich das für Wasser gehalten, heute konnte ich einen Bauern beobachten, der gerade Chemie aus Tüten und Flaschen in den Wassertank füllte. Es ist doch Irrsinn. Hier gibt es Millionen an Olivenbäumen und wahrscheinlich eine wahnsinnige Überproduktion. Muss man da wirklich mit Chemie den Ertrag steigern? Der Weg auf der alten Eisenbahntrasse führte durch einige tief in den Fels geschnittene Scharten, auf Brücken über tiefe Täler und sogar durch einen Tunnel. Ohne diese Trasse hätte man das alles kraft- und zeitraubend auf natürlichen Wegen laufen müssen. In Doña Mencía, der Stadt, die sich selbstbewusst „Zentrum des Radtourismus“ nennt, verlässt der Camino leider die ehemalige Bahnstrecke und führt nun durch die Berge nach Baena, wo er auf die aus Almería über Granada kommende Variante des Camino Mozárabe trifft. Da ist man geneigt, weiter der alten Bahnlinie über Zuheros bis hinter Luque zu folgen und dort den Abzweig der „Öl-Bahn“ nach Baena zu nehmen. Das ist zwar wesentlich weiter, aber bestimmt weniger anstrengend als der Weg durch die Berge. Aber ich will ja nicht schummeln … Gleich hinter Doña Mencía ging es lang und steil den Berg hoch, weshalb mir bald die Puste ausging und ich nur noch langsam vorwärts kam. Oben auf dem Pass angekommen, bot sich eine gute Aussicht. Nun ging es ziemlich steil bergab, was einen zwar nicht außer Puste bringt, aber auch ziemlich anstrengend sein kann. Bevor es das nächste Mal hoch ging, habe ich in der Astgabel eines alten Olivenbaumes, beschattet durch dessen Krone, Mittagsschlaf gehalten. Das war eine Wohltat und nun ging es auch bergauf recht flott vorwärts. Nach ein paar Biegungen des Weges kam zunächst ein großes Gewerbegebiet mitten in der Landschaft ins Sichtfeld und nach Umrundung eines weiteren Hügels, mein Zielort Baena. Die Stadt ist wesentlich größer, als ich gedacht habe. Ein Teil thront mit Festung und Kirche(n) auf einem Berg und der Rest streckt sich zu dessen Füßen aus, was aber nicht heißt, dass da keine Steigungen zu überwinden sind. Im Gegenteil: der Weg zu meiner Pension erwies sich als äußerst kräftezehrend. Nach den gestrigen Erfahrungen mit der (fast) fehlgeschlagenen Buchung habe ich heute früh gleich mein Quartier in Baena festgemacht. Lt. Pilgerführer ist da das günstigste Quartier die Pension „Casa Jazmines Mozárabes“ mit 20 € im Schlafsaal und 29 € im Einzelzimmer. Als ich die Unterkunft bei booking.com aufgerufen habe, stand da aber ein Preis von 117 €, mit Mobilfunkrabatt 105 €, für ein Einzelzimmer mit Gemeinschaftsbad. Ich habe deshalb meiner Anfrage per WhatsApp gleich die Frage hinzugefügt, ob der Preis wirklich 20 € ist. Zurück kamen ein OK und die Bitte, unterwegs nach Leuten Ausschau zu halten, die noch eine Unterkunft suchen. Das habe ich versprochen - es kann ja sein, dass eine Fußballmannschaft unterwegs ist, die noch Betten für die Nacht sucht. Aber ich habe den ganzen Tag über keine Wanderer gesehen, nur Radfahrer, die aber nicht aussahen, als ob sie irgendwo übernachten wollen. Also, die Unterkunft ist wirklich gut: ein kleines Privathaus in einer Häuserreihe an einer steilen Straße, die hoch zur Burg führt, nur ein paar Meter vom Camino entfernt. Der „Schlafsaal“ ist ein Raum mit vier Einzelbetten und einem Bad dran. In den oberen Etagen gibt es wohl noch drei oder vier Einzelzimmer. Alle zusammen können den gemütlichen Aufenthaltsraum und die angeschlossene, gut ausgestattete Küche benutzen. Im Kühlschrank gibt es in einem Fach „für Pilger“ sogar Zutaten fürs Frühstück. Kaffee und Toastbrot stehen auf dem Tisch. Damit habe ich nicht gerechnet. Die Inhaberin ist sehr nett. Sie macht Homeoffice bzw. eine Weiterbildung am Computer und kommt immer mal aus ihrem Zimmer, um sich zu unterhalten. Ihr Englisch ist weit besser als meins, aber irgendwie haben wir die Konversation hinbekommen. Sie schwärmt von Berlin, wo sie unlängst war, der Schilderung nach bei den „Festival of Lights“ und zur „Langen Nacht der Museen“. Auf die Zimmerpreise angesprochen, hat sie gesagt, dass sie diese absichtlich so hoch ansetzt, weil sie gar keine Touristen haben will, die stets was zum Meckern finden. Ihr reicht es, wenn da immer mal ein paar Pilger kommen. Da sie verschiedene Dinge im Haus zu reparieren hat, hofft sie, dass auch mal welche dabei sind, die ihr statt zu bezahlen, ein paar Arbeiten erledigen. Ich habe es mir hier gemütlich gemacht, dann die komplette Wäsche gewaschen, was von meinen Vorräten im Rucksack gegessen und mich danach hoch auf den Burgberg begeben. Da waren leider abends nach sechs neben der Burg auch alle Kirchen zu. Aber es gab ja noch die schöne Aussicht und ein zweites Abendbrot mit Zutaten aus dem nahen Lidl. |
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Camino Mozárabe - Tag 7 | ![]() |