Unterwegs auf dem Camino Mozárabe von Málaga nach Mérida und weiter nach Badajoz
Tag 15 (Do, 30.4.2026) Von Monterrubio de la Serena nach Castuera (19,2 km)
So richtig gut habe ich nicht geschlafen, weil die Matratze etwas durchgelegen war und ich immer wieder in das „Loch“ gerollt bin. Da ich nach einem Sturz vor ein paar Wochen immer noch Probleme mit meinem rechten Oberarm und der Schulter habe, kann ich auf dieser Seite schlecht schlafen und mich nur schwer gegen das Versinken in der Matratze wehren. Bei einem nächtlichen Gang ins Keramik-Kabinett habe ich meine Hose vom Wäscheständer und mit ins Zimmer genommen, da es draußen kalt und feucht war und sie deshalb nicht trocken wurde. Neben mir ins Bett gelegt ging das aber so schnell, dass ich sie morgens anziehen konnte. Den Rest der gewaschenen Wäsche habe ich zum Trocknen an den Rucksack gebunden.

Obwohl ich um sechs schon aus dem Bett war und so noch mit dem Frühaufbrecher Diego frühstücken konnte, bin ich als Bummelletzter gegen neun los. Wenn man nicht viel vorhat, verfällt man gern in Bummelei. Außerdem hatte ich ja auch noch meinen Bericht zu schreiben. Heute stand wirklich nicht viel an, nur gut 18 km bis Castuera und das auf flachem Terrain und glatter Straße.

Da konnte man das Bummeln fortsetzen. Man musste nicht mal auf den Verkehr achten, da auf der Straße nur ganz am Anfang und am Ende ein paar Bäuerlein mit dem Traktor unter­wegs waren. Leider gibt es an solchen Straßen selten mal eine Sitzgelegenheit, weshalb ich mich zum mittäglichen Picknick auf einem Begrenzungsstein des Straßengrabens nieder­lassen musste. Da etwa die Hälfte des Weges geschafft war, wollte ich mich mit einem mitgeschleppten Getränk belohnen, befand dann aber die Büchse als ziemlich leicht. Ihr Verschluss hatte sich irgendwo verhakt und dem Inhalt freie Bahn in den Rucksack verschafft. Nun habe ich erstmal am Straßenrand alles ausgepackt und sortiert nach „noch trocken“ und „schon nass“ in Plastikbeutel verpackt. Zum Glück war es nur ein „Mahou“, da war der ideelle Schaden gering. Was lehrt uns diese Geschichte? Man sollte a) die Außentaschen des Rucksacks nicht mit Wasserflaschen vollstopfen, sondern Platz für eine Büchse Bier lassen, und b) nicht erst mittags Bier trinken - hätte ich die Büchse eher rausgeholt, wäre vielleicht noch was drin gewesen.

Links und rechts vom Weg gab es wieder reichlich Olivenhaine, aber auch Flächen, auf denen wild verteilt Bäume mit kleinen stachligen Blättern stehen. Ich weiß nicht, was das ist. Auf einem kurzen Stück lagen unter den Bäumen riesige, glatt geschliffene Felsbrocken mit mehreren Metern Durchmesser. Das hat mich sehr an die Bretagne erinnert. Rechts vom Weg an einem Berghang gelegen und von einer Burgruine gekrönt, war den ganzen Tag über eine Stadt zu sehen, was besonders schön war, wenn die Sonne darauf schien. Das war Benquerencia de la Serena. Serena ist der Name des hiesigen Landkreises.

Mein Zielort, Castuera, war auch schon von weit weg zu sehen, da sich ein Teil der Stadt auf einem Hügel befindet. Hier erübrigt sich die Frage, wo die Herberge liegt: natürlich auf diesem Hügel. Unlängst bin ich aufgeklärt worden, dass die HerBERGen so heißen, weil sie meist auf einem Berg liegen. Das ist plausibel. Als ich im Zentrum von Castuera angekom­men bin, war es fünf Minuten vor (!) drei, und aus dem Rathaus strömten mir die Angestellten entgegen. Ich hatte aber gelesen, dass man nicht im Rathaus, sondern im benachbarten Polizeirevier den Herbergsschlüssel bekommt. Da war es mir Wurst, wann die Rathäusler Feierabend machen. Apropos Feier: ab morgen ist hier über das Wochenende Fiesta, davon werde ich aber leider nicht viel haben, da es ja morgens schon weiter geht.

Auf dem Polizeirevier habe ich meine acht Euro für die Übernachtung bezahlen können und den Herbergsschlüssel nebst Stempel bekommen. Die Herberge ist nur zwei Querstraßen entfernt und sehr ordentlich. Hinter dem Tor zur Straße befindet sich ein kleiner Innenhof, auf dem Stufen zur noch ein Stück höher gelegenen Herberge führen. Die hat zwei Schlafräume mit je zwei Doppelstockbetten, also acht Schlafplätze, einen Aufenthaltsraum mit Küchen­zeile, zwölf (!) Stühlen an drei Tischen sowie zwei Bäder. Die Betten sind auch hier wieder mit Bettwäsche. Meinen Schlafsack habe ich schon einige Tage nicht mehr ausrollen müssen. Serverschrank und Infoterminal fehlen hier wie schon im vorigen Ort - diese Macke hat man vielleicht nur in Andalusien, das hier ist ja die Extremadura.

Als Revanche für die gestrigen Rühreier hat Veronika für heute Abend „Chili con Carne“ versprochen. Ganz stolz kam sie mit (fast) allen erforderlichen Zutaten aus dem Supermarkt. Nur Olivenöl war nicht in kleiner Menge zu bekommen, da musste stattdessen Butter her­halten. Sie hat gleich angefangen zu schnippeln und wollte sich weder von mir noch von Diego helfen lassen. Da wollte ich die Zeit nutzen und im Stadtzentrum schauen, ob ich in die eindrucksvolle Maria-Magdalena-Kirche gegenüber dem Rathaus komme. Veronika hatte aber schon recherchiert, dass da um acht Gottesdienst ist, zu dem sie gehen wollte. Da habe ich zugesagt, mitzukommen.

Um sieben gab es Abendbrot, zwei bis drei Teller für jeden von uns dreien und der Topf ist längst nicht leer geworden. Das sieht sehr nach „Chili con Carne“ zum Frühstück aus. Nach dem Abendbrot sind wir zur Kirche gelaufen und standen da vor verschlossener Tür. Dem Wochen­plan an der Tür war zu entnehmen, dass donnerstags der Gottesdienst in „Buen­suceso“ ist. Einen solchen Ort haben wir auf der Karte nicht gefunden, aber eine gleich­namige Straße mit einer Kapelle an der Ecke, gar nicht weit entfernt. Hier waren wir richtig und auch pünktlich. Dafür, dass jeden Abend Gottesdienst ist, war der (ohne uns) mit 23 Leuten ganz gut besucht, wobei es sich ausschließlich um Frauen handelte.

Hinterher wollte ich wenigstens noch eine Kerze für meinen Schwiegervater anzünden, der vom Jakobsweg begeistert war und als Spanien-Kenner ganz besonders von der Extre­madura geschwärmt hat. Das ging hier nur an einem Gestell mit etwa achtzig elektrischen Kerzen und einem Einwurfschlitz für Münzen. Völlig erstaunt war ich, dass da beim Einwurf von einem Euro gleich zehn Kerzen angingen. Der Kasten ermittelt offenbar, wie viel da eingeschmissen wird und bringt entsprechend viele Lichter zum Leuchten. Vermutlich, damit die Umstehenden sehen, wie spendenfreudig man ist.

Morgen steht wieder nur eine kurze Etappe von 20 km an. Weder heute noch morgen war bzw. ist es möglich, ein Stück ran zuhängen, weil es zwischen Start und Ziel gar keine Orte gibt. Das hat auch zur Folge, dass Pilgergrüppchen, die sich bis hier gefunden haben, zwangsläufig bis Mérida zusammen bleiben. In Mérida kann und wird jeder seinen eigenen Weg gehen oder sich wie ich nach Hause begeben.

Camino Mozárabe - Tag 15