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Unterwegs auf dem Camino Mozárabe von Málaga nach Mérida und weiter nach Badajoz | ![]() |
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Tag 17 (Sa, 2.5.2026) Von Campanario nach La Haba (18,4 km)
Irgendwann nach eins in der Nacht war die Party neben der Sporthalle beendet, Stimmen waren dann aber noch lange zu hören. Als ich heute früh kurz nach acht losgezogen bin, waren schon einige Stände und Fahrgeschäfte abgebaut, aber überall lagen noch die Reste der Feier rum. Das kriegen die aber sicher schnell in den Griff, nach Wochenmärkten dauert es ja auch nicht lange, bis alles wieder sauber ist.
Nach wenigen Metern auf der Straße schwenkte der Camino nach rechts weg und folgte nun ein ganzes Stück der Bahnlinie - erst auf der einen Seite, dann auf der anderen. Das müsste die Bahnlinie nach Mérida sein, an der es auch gestern entlang ging. Einen Zug habe ich heute nicht gesehen, aber gestern an der erwähnten Station Quintana, in der sich lt. Karte eine Herberge befinden soll, wovon aber der Pilgerführer nichts weiß. Da kamen plötzlich zwei aneinander gekoppelte Dieselloks mit einem mehrteiligen Triebwagen hintendran vorbei. Ob jemand drin saß, war durch die Sträucher nicht zu sehen. Das war vermutlich nur eine Überführung. Als der Weg heute von der Bahn wegführte, war auf einem kleinen Hügel eine grüne Halle ohne Seitenwände zu sehen, sowas, wo Maschinen untergestellt oder Strohballen gestapelt werden. Beim Näherkommen habe ich gesehen, dass die Halle zwar eingezäunt ist, aber das Tor offen ist. Daneben stand eine Art Pförtnerhäuschen mit mehreren Sitzbänken an der Vorderfront. Auch hier stand die Tür offen. Ich habe da vorsichtig reingeschaut, weil nicht zu erkennen war, ob das was Privates ist. Da kam ein Mann aus dem daneben geparkten Auto und hat mich rangewunken. Das Häuschen, an dem „La Mata“ stand, ist die Touristen-Info zu der daneben in der besagten Halle zu sehenden römischen Ausgrabung. Und der Herr war offenbar der Touristeninformant. Nachdem ich in dem Häuschen eine der beiden riesigen Toiletten ausprobiert habe, ist der Herr mit mir auf das Gelände und hat mir das teilweise rekonstruierte Haus aus der Römerzeit, genauer gesagt aus dem 6. bis 5. Jahrhundert vor Christus, gezeigt. Viel war nicht zu sehen, da im freigelegten Erdgeschoss nur Lagerräume, Küche usw. waren. Die eigentlichen Wohnräume befanden sich im nicht mehr vorhandenen Obergeschoss. Auf Tafeln mit Bildern und Text war das alles gut erklärt. Aber so viel Zeit, das alles zu lesen, wollte ich nicht investieren. Den kulturellen Genuss hätte man hier noch um einen leiblichen erweitern können, wenn man in dem Haus zum Beispiel einen Getränke- oder Kaffeeautomaten aufgestellt hätte. Platz wäre gewesen. Wenn auf dem staubigen Feldweg vier Rollstuhlfahrer gleichzeitig kommen, müssen die ja nicht auch gleichzeitig ins Klo passen. Die können gut auch nacheinander die Toilette benutzen. Solche könnte also kleiner ausfallen und schon wär‘ der Platz für einen Automaten da. Aber dafür gibt es wahrscheinlich keine Fördermittel. Ein paar hundert Meter weiter war ein scheinbar doppelstöckiger Schweinestall zu sehen, denn die Schweine kamen auf einer Rampe aus dem Obergeschoss runter oder rannten hoch. Schwarze Schweine, die offenbar den ganzen Tag auf Achse waren. Möglicherweise Imitationen der in den „Dehesas“ Eicheln fressenden schwarzen Schweine, die als Delikatesse gelten. Im vermeintlichen Untergeschoss des Stalls waren doch nur Futterstände und schattige Ruheplätze. Ich bin immer wieder von der Neugier der Schweine überrascht. Als die mich entdeckt haben, sind sie erst aufgeregt weggerannt, um gleich danach nebeneinander am Zaun Aufstellung zu nehmen, bis dort kein Platz mehr war. Das war putzig anzusehen. Wäre da nicht ein zweiter Zaun gewesen, hätte ich mich bestimmt dazu hinreißen lassen, die alle zu streicheln. Schon vom Start an war mitten in der flachen Landschaft ein kegelförmiger Berg zu sehen, an dessen Hang sich ein Ort hochzieht. Jetzt beim Näherkommen war zu erkennen, dass es auch am Fuße des Berges eine Ortschaft gibt und dass oben auf dem Berg Reste einer Festung sind. Diese stammt auch noch aus der Römerzeit, ist wohl aber später auch von den Arabern genutzt worden. Der Ort am Berghang ist Magacela mit 500 Einwohnern, der Ort am Fuß des Berges nennt sich Sobrante del Berrocal. Durch letzteren führt der Camino, allerdings anders, als in der Karte verzeichnet. Da er sich hier auch noch in zwei Varianten gabelt, ist es etwas schwierig, den richtigen Weg durch das Kaff ohne Bar und Laden zu finden. In Magacela hätte es vermutlich beides gegeben, aber dafür wollte ich mich nicht den Berg hoch quälen. Bis zum Ziel, La Haba, waren es ja nur noch etwa 12 Kilometer. Da der Routenplaner ausgerechnet hat, dass ich kurz vor zwei da bin, habe ich einen Schritt zugelegt, denn das Karten- und Internetstudium ergab, dass es im Ort nur noch den „Coviran“ als Supermarkt gibt und dass dieser sonnabends wie jeden Tag um zwei schließt, aber nachmittags nicht noch mal aufmacht. Um halb zwei stand ich vorm Laden, der zwar ziemlich eng, aber ganz gut ausgestattet ist. Da habe ich reichlich eingekauft, da ja morgen Sonntag ist und nur vereinzelt Geschäfte offen haben. Dann bin ich schwer gepackt zur Herberge gezogen, einem sehr ordentlichen, zweistöckigen Haus an der Durchfahrtsstraße, auf der aber nicht viel los ist. Ich habe gleich die erste der beiden angeschlagenen Nummern angerufen und hatte prompt wieder jemand dran, der kein Englisch spricht. Aber auf meine auf Spanisch verfasste WhatsApp an diese Nummer kam gleich eine Antwort und wenig später stand eine Dame mit dem Herbergsschlüssel vor der Tür. Die Herberge ist sehr ordentlich: Im Erdgeschoss ist ein großer Aufenthaltsraum mit vier Sofas und einem großen Tisch in der Mitte, eine gut ausgestattete Küche, Toiletten und ein Gästezimmer; im Obergeschoss sind vier Räume mit je vier oder fünf Betten und zwei ordentliche Bäder, die auch von mehreren Personen gleichzeitig benutzt werden können. Für 15 € (statt 12 €, wie es im Pilgerführer steht) ist das ok. Kopfkissen und Laken sind inklusive, aber leider keine Betttücher, so dass doch wieder der Schlafsack rausgeholt werden muss. In der Küche sind übrigens Waschmaschine und Trockner. Für einen Euro konnte ich bei der Dame eine große Waschpulvertablette erwerben, die für meine ganze Wäsche gereicht hat. Ich hatte erst noch eine Weile auf Veronika gewartet, um ihr ein Mitwaschen anzubieten. Aber um drei habe ich dann doch schon die Maschine angeschmissen, weil die Sonne langsam hinter den Häusern verschwand. Ich habe allerdings gar keinen Wäscheständer gefunden, mit dem ich die Wäsche hätte in die Sonne stellen können. Den brauchte ich letztlich gar nicht, weil die Sachen nach einer Stunde im Trockner so trocken waren, dass ich sie gleich anziehen konnte. Veronika ist heute wieder nach mir aufgebrochen. Hinter dem Römerhaus hatte sie mich aber fast eingeholt, weil sie dort nicht zu einer Besichtigung genötigt wurde. Ich habe sie ein ganzen Stück hinter mir gesehen, aber dann doch wieder aus den Augen verloren. Gegen vier stand sie dann an der Herbergstür. Inzwischen hatte ich schon die erste Runde gegessen: Toastbrot und eine Büchse Muscheln in Jakobsmuschel-Soße. Lecker! Als ich den ersten Teil meines Berichts fertig hatte, bin ich noch mal raus, um mich im Dorf umzusehen. Viel los ist ja hier am Wochenende nicht. Abends um halb sieben waren noch alle Kneipen zu, nur in der Tankstelle saßen ein paar Männer beim Bier. Die Kirche und auch die Kapelle eines ehemaligen Klosters waren verschlossen, aber ihre Dächer und Türme von Störchen gut besucht. In jeder Ecke ist ein Nest und mitunter gibt es ordentliches Geklapper. Auf den Straßen war kaum jemand zu sehen, aber vor einigen Häusern saßen alte Leutchen auf Stühlen am Straßenrand und haben das (Nicht-)Geschehen beobachtet. Nach einer Stunde war ich zurück, hab‘ Suppe vom Herd und Paella aus der Mikrowelle verzehrt und werde jetzt bald schlafen gehen. Da Veronika morgen am Sonntag sicher gern wie ich in die Kirche gehen will, habe ich vorgeschlagen, um acht aufzubrechen. Dann wären wir um zehn in Don Benito (Herr Benedikt), wenn in einigen Kirchen Gottesdienst ist. Sie hat dann selbst nochmal recherchiert und herausgefunden, dass in der St. Jakobskirche (Santiago Apostol) schon um 8.30 Uhr Gottesdienst ist. Das wäre doch günstiger, weil ab da noch 26 km zu laufen sind. Da müssten wir aber um 6.30 Uhr hier aufbrechen. OK, damit habe ich prinzipiell kein Problem, obwohl ich wahrscheinlich ausgerechnet morgen früh um halb sechs zur Aufstehzeit in einer Tiefschlafphase sein werde, obwohl ich da normalerweise schon wach bin oder nur vor mich hin döse. |
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Camino Mozárabe - Tag 17 | ![]() |