Unterwegs auf dem Camino Mozárabe von Málaga nach Mérida und weiter nach Badajoz
Tag 19 (Mo, 4.5.2026) Von Torrefresneda nach Mérida (26,3 km)
Obwohl ich wie fast immer morgens schon eine ganze Weile wach gelegen bzw. vor mich hin gedöst habe, ist es Diego gelungen, sich an mir vorbei zu schleichen und sogar noch sein Bett abzuziehen, ohne dass ich das gemerkt habe. Um sieben war er verschwunden.

Ich habe vor dem Losgehen noch ordentlich gefrühstückt, auch um die Reste im Rucksack zu reduzieren. Etwas verschlafen kam Veronika dazu, kurz nach acht sind wir aufgebrochen. Der Weg war nicht sonderlich erquicklich, denn er verlief fast ausschließlich auf einer Servicestraße neben der Autobahn. Nur bei den beiden Orten San Pedro de Mérida und Trujillanos ging es mal weg von der Autobahn und durch den Ort. Im ersten haben wir gar keine Bar gefunden, wo man einen „Café con leche“ hätte trinken können, im zweiten gab es in einer Seitenstraße eine Bar, da war es dann aber auch schon Zeit für ein Mittagsbier. Diese zweite Bar war ausgestattet wie eine Jagdhütte: überall hingen Hirschgeweihe rum. Dafür fehlte es an Gästen, was sicher auch daran lag, dass die Wirtin Preise verlangt, die einer Seitenstraßenkneipe in der Provinz nicht angemessen sind.

In beiden Orten haben wir aber im Rathaus Stempel in unsere Pilgerpässe bekommen, dazu auch immer ein paar freundliche Worte. Hinter Trujillanos führte der Weg dann über die Autobahn hinweg und durch die Felder in einem weiten Bogen nach Mérida hinein. Am Ortseingang sah es nicht so verlockend aus, aber dann ging es entlang einer breiten Straße zur römischen Pferderennbahn, die man ausgegraben hat, und zu einem der Aquädukte, das man bis zu dieser Stelle sehr aufwändig rekonstruiert hat. Da kann man ein ganzes Stück dran entlang laufen und dann längs eines Flusses die Innenstadt umrunden. So gelangten wir auch noch zum zweiten Aquädukt, das schon ziemlich lädiert ist, aber trotzdem oder gerade deswegen jede zweite Postkarte ziert. Und von den Störchen wird es sehr gut angenommen. Auf fast jedem Bogen findet sich ein Nest.

Durch ein paar alte Wohngebietsstraßen ging es dann runter an den Fluss, an dessen Seitenarm, am Rand einer Parkanlage gelegen, die städtische Herberge ist. Aus dem Pilger­führer wussten wir, dass da nur über Mittag und ab 17.30 Uhr Einlass ist. Jetzt war es um vier. Auf unser Klopfen hat niemand reagiert, aber auf eine WhatsApp an Diego kam dieser raus aus der Herberge und hat uns nach einer herzlichen Begrüßung damit konfrontiert, dass lt. Herbergsvater nur noch ein Bett frei ist, obwohl einige noch unbelegt waren. Auf manchen lagen aber Zettel mit Namen, etwas ungewöhnlich, wenn man nicht reservieren kann. Um es kurz zu machen: Diego hat sich für uns ins Zeug gelegt und in zwei langen Telefonaten erreicht, dass wir neben dem freien Bett auch noch ein mit einem Namen versehenes Bett entwidmen und in Beschlag nehmen durften - aber erst um 17.30 Uhr nach ordnungs­gemäßer Datenerfassung und Ausweisstempelung. Aber das haben wir gern erduldet.

Wir haben es uns also vor der Herbergstür gemütlich gemacht. Besser gesagt, ich habe da meinen Rucksack in Veronikas Obhut gegeben und mich auf die Suche nach einem nachmittags geöffneten Lebensmittelladen gemacht, um etwas zu essen und zu trinken zu besorgen. Obwohl wir ja nun die Zusage hatten, Betten zu bekommen, haben wir uns nicht zusammen weggetraut, aus Angst, es könnte uns noch jemand die Schlafgelegenheiten wegschnappen. Wie sich zeigte, wäre es aber in der näheren Umgebung der Herberge genauso schwierig gewesen, eine Kneipe zu finden, wie einen Lebensmittelladen. Einen solchen (Carrefour City) habe ich dann auch erst in der Altstadt, nahe der Plaza de España an der Concatedral de Santa María la Mayor gefunden. Da gab es zwar nichts Brauchbares auf die Hand zu essen, aber wenigstens was zu trinken. Damit bin ich zurück zur Herberge, wo ja nicht mehr lange zu warten war.

Pünktlich halb sechs kam der Hospitalero nebst Frau. Die haben beide in dem kleinen Schalterstübchen am Eingang Platz genommen und mit der Abfertigung begonnen. Er hat die Ausweisdaten abgeschrieben und dabei viel geredet und sie hat die Pilgerpässe abgestempelt und dabei auch viel geredet. Als das geschafft war, durften wir unsere Betten in Beschlag nehmen. Ich habe sogar ein unteres bekommen, das eigentlich für einen Holländer gedacht war, der sich aber nicht nochmal gemeldet hat.

Ich habe meinen Schlafsack ausgerollt und erstmal eine Runde Probeliegen gemacht. Veronika hat sich derweil auf den Weg in die Altstadt gemacht. Später hat sie stolz erzählt, dass sie sogar eine Kirche gefunden hat, in der es einen Abendgottesdienst gab. Ich glaube, sie nimmt das Pilgern noch ein wenig ernster als ich.

Ich bin kurz vor sieben auch noch mal zu einem Stadtbummel aufgebrochen und habe dabei viel bereits Bekanntes wiederentdeckt. Man hätte vielleicht sogar noch das Amphitheater und das grandiose Römische Theater besuchen können, denn auf dem Gelände liefen Leute rum. Aber ich hatte ja beim letzten Mal beides sehr gründlich erkundet und habe es deshalb bei einem Blick durch den Zaun belassen. Lediglich das „Casa del Anfiteatro“ habe ich mir nochmal angeschaut, weil da das Tor zum Gelände offen stand. Es handelt sich dabei um die Reste eines herrschaftlichen römischen Hauses, die man zum Schutz vor Regen und Sonne überdacht hat. Lediglich über der kleinen Grünfläche in der Mitte des einst prächtigen, von Säulen umstandenen Patios hat man ein Loch gelassen, damit die Pflanzen Licht und Wasser bekommen.

Inzwischen, nach der Siesta, waren alle Geschäfte wieder geöffnet, so dass die Nahrungs­suche für den Abend einsetzen konnte. In einem „Coviran“, der die betreffende Marke selten führt, habe ich von meiner Paella/Fideuá-Firma ein breites, teilweise unbekanntes Sortiment vorgefunden. Da ich mich nicht entscheiden konnte, habe ich sowohl Linsen, als auch Kichererbsen genommen, jeweils mit Chorizo. Um es vorwegzunehmen: es war beides essbar, aber nicht der Brüller.

Ich habe dann noch den Sonnenuntergang über dem Fluss genossen und bei einsetzender Dunkelheit ein paar Bilder gemacht. Als ich nach neun wieder in der Herberge ankam, war es dort schon recht still. Nur Veronika saß noch in der kleinen, ungemütlichen Küche und hat offenbar auf mich gewartet. Sie hatte nämlich zwei Büchsen des von mir gepriesenen „1906“ gekauft. Das ist die Edelmarke von „Estrella Galicia“. Wir haben da noch bis nach zehn gesessen und geplaudert, vor allem über die Route, die sie nach Santiago nehmen will. Sie war sich noch nicht schlüssig, ob sie bis Lissabon mit dem Bus fährt, oder nur die Hälfte und den Rest läuft. Von Lissabon will sie, so wie ich vor drei Jahren, über Fatima nach Santiago laufen. Da konnte ich ihr noch ein paar Tipps geben und Bilder zeigen. Abschied haben wir noch nicht genommen, dafür wird am Morgen noch Zeit sein. Übermäßig zeitig werde ich nicht aufbrechen.

Camino Mozárabe - Tag 19