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Unterwegs auf dem Camino Mozárabe von Málaga nach Mérida und weiter nach Badajoz | ![]() |
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Tag 21 (Mi, 6.5.2026) Von Talavera la Real nach Badajoz (20,8 km)
Ich habe meinen letzten Pilgertag ganz ruhig angehen lassen und die Annehmlichkeiten des Hostels ausgeschöpft. Dazu gehörte ein Kaffeeautomat auf dem Flur, der ganz brauchbaren „Café con leche“ geliefert hat. Irgendwann gegen acht bin ich losgelaufen. Am Ortsausgang von Talavera la Real bin ich auf die Fernstraße N-V, die schnurgerade nach Badajoz führt. Und da bin ich auch erst wieder runter von der Straße. Es lief sich prima, denn hier gab es einen zwei Meter breiten Seitenstreifen, auf dem man keine Angst vor den Autos haben musste. Nur der Lärm war manchmal etwas nervig. Eine Alternative zur Straße hätte es nur für ein paar Kilometer gegeben, nämlich entlang des halbwegs parallel verlaufenden Canal de Lobon. Den Weg zum Kanal, der durch ein ehemaliges Kasernengelände geführt hätte, habe ich aber verpasst bzw. nicht als solchen angesehen.
Meine Aufmerksamkeit galt da dem Luftwaffenstützpunkt, der sich auf der rechten Seite kilometerweit an der Straße dahinzog. Der teilt sich Start-und Landebahn mit dem zivilen Flughafen Badajoz, dessen Terminal immer mal zu sehen war. Der wird nicht nur von kleinen Jets, sondern auch von normalen Passagiermaschinen angeflogen, z. B. aus Madrid oder von Gran Canaria kommend. Am Tag zuvor habe ich mal eine große Maschine im Anflug gesehen. Heute waren nur Düsenjäger unterwegs. Wenn da zwei gleichzeitig starten, was vermutlich geübt werden soll, ist das ein martialisches Geräusch. Auch in der Luft entwickeln sie ordentlich Krach, vor allem wenn zwei Flugzeuge ganz dicht beieinander ihre Runden drehen. Seit dem Abzug der „Russen“ sind wir ja im Berliner Raum gar keine Düsenjäger mehr gewöhnt. Da nerven nur noch die Hubschrauber der Bundespolizei. Vom Weg an der Straße hatte ich mir auch versprochen, dass man da mal auf eine Bar trifft, in der man ein zweites Frühstück nehmen könnte. Die erste Gelegenheit, eine Tankstelle auf der anderen Straßenseite, habe ich verstreichen lassen, weil man über Leitplanken hätte klettern müssen. Im folgenden Ort, Villafranco del Guadiana, war leider die Bar nahe der Straße zu. In den Ort, der Ende der 1940er Jahre geplant, aber erst in den 1960er Jahren errichtet wurde, wollte ich jedoch nicht extra hinein laufen. Das hätte ich aber machen sollen, denn die Gelegenheiten, ein zweites Frühstück zu fassen, waren nun fast ausgeschöpft. Die nächste Siedlung, die Urbanización Golf Guadiana, gehörte wie der Name verrät, zu einem Golfplatz. Da gibt es sicher ein Restaurant, aber nicht direkt an der Straße und vermutlich nicht für zerlumpte Landstreicher gedacht. Dann kam vor Badajoz nur noch „El Mirador del Cerro Gordo“. Da waren zwischen den Häusern Restaurants und Geschäfte eingezeichnet. Aber wie der Ortsname vermuten lässt, liegen dieser auf einem Berg, denn „Mirador“ heißt „Aussicht“. Tatsächlich liegt die Siedlung auf einem Hügel auf der linken Straßenseite. Die vorderste Reihe ist mit Sechsgeschossern bestückt, die so dicht stehen, dass da nur wenige Wohnungen eine Aussicht haben. Der Rest hat lediglich einen „seitlichen Blick ins Nichts“, denn viel zu sehen gibt es hier eigentlich nicht. Die Umgebung ist total platt und wird landwirtschaftlich genutzt. Freunde des Luftverkehrs können hier aber die Düsenjäger bestaunen, die an der Siedlung vorbei donnern. Um extra hoch in die Siedlung zu steigen, nur um dort in einer Bar ohne Aussicht einen Kaffee oder ein Bier zu konsumieren, war die Not nicht groß genug. Ich hatte genug Wasser dabei und ich habe schon von Leuten gehört, die einen ganzen Tag überlebt haben, obwohl sie nur Wasser als Getränk zur Verfügung hatten. Erst hinter der Autobahn, schon in Sichtweite der Stadt, gab es an einer Tankstelle die Möglichkeit, das warm gewordene Wasser durch ein Getränk aus dem Kühlschrank zu ersetzen. Am Ortseingang von Badajoz konnte ich dann den Verlockungen eines McDonald's nicht widerstehen, die mir Kraft und Aufmunterung für die letzten Kilometer gegeben haben. In der Stadt habe ich als erstes die Busstation aufgesucht, um mir für morgen eine Fahrkarte nach Sevilla zu kaufen. Das hätte man auch online machen können, aber je nach Anbieter kamen da auf den Fahrpreis von 14,09 € bis zu 4,60 € Buchungsgebühr dazu. Die wollte ich mir sparen. Zum Busbahnhof wäre ich eh gelaufen, um sicher zu sein, dass ich morgen früh den richtigen Ort ansteuere. In der großen Halle der Busstation gibt es Fahrkartenschalter von mindestens einem Dutzend Busunternehmen, auch von „Basebus“, dem Unternehmen, das als einziges eine Direktverbindung nach Sevilla anbietet. Aber alle Schalter waren zu, bis auf den von „Avanza“. Da habe ich aber keine Fahrkarte kaufen können, sondern nur die Auskunft bekommen, dass ich die Fahrkarte online kaufen oder morgen beim Busfahrer bezahlen muss. Letzteres war mir zu riskant, denn ich habe hier schon erlebt, dass Busse nicht alle Fahrgäste mitnehmen konnten und bin schon mal nicht mitgenommen worden, weil kein Bezahlen beim Fahrer möglich war. Also habe ich nun doch online gebucht, aber nicht auf der Webseite von „Basebus“, sondern auf der des Konkurrenzunternehmens „Alsa“, weil dessen Zahlungsdienstleister nur drei Euro Bearbeitungsgebühr haben wollte. Im Internet kann man bei einem x-beliebigen Unternehmen Fahrkarten der Konkurrenten kaufen, am Schalter geht das leider nicht. Der Bestellvorgang ging dann zwar nach der Bezahlung in eine Endlos-Warteschleife, aber dafür kamen zwei Emails mit der Fahrkarte als Anhang. Nun konnte ich mich beruhigt auf den Weg ins Hotel machen. Das Hotel Cervantes, in dem ich für 35 € gebucht habe, liegt am gleichnamigen Platz, nicht weit von der Kathedrale entfernt. Es ist ein ehrwürdiges Haus, das 1920 erbaut wurde, wie ein Zeitungsartikel an der Lobby-Wand verrät. Es gibt da eine richtige, fast durchgängig besetzte Rezeption und gleich daneben einen überdachten Patio (Innenhof), der eine gemütliche Lobby abgibt, in der einige Sofas und ein paar alte Möbel stehen. Die Sockel der Wände sind schön gefliest und darüber hängen Bilder. Der Blick nach oben fällt auf den Wandelgang, der die Zimmer im ersten Stock miteinander verbindet. Alles sehr ordentlich und gemütlich. Mein Zimmer im zweiten Stock hat eine Möblierung, die offenbar noch zur Erstausstattung des Hotels gehört: dunkle Möbel und ein Bett mit einem solchen Kopfteil. Da fühlt man sich ein wenig wie aufgebahrt. Es fehlen nur links und rechts die Kerzenständer. Aber da alles ordentlich und sauber war und ein eigenes Bad zum Zimmer gehörte, habe ich meine Entscheidung hier zu buchen, nicht bereut. Nach dem Abstellen des Rucksacks führte mich mein erster Gang drei Zimmer weiter, wo Diego einquartiert ist, wie ich an der Rezeption erfahren habe. Der erschien auf mein Klopfen hoch erfreut, aber ohne seinen Zwei-Monats-Bart in der Tür. Er hatte schon Tage vorher verlauten lassen, dass er in Mérida einen Barbershop aufsuchen wird, um sich von dem lästig gewordenen Bart zu trennen. Er war schon einen Monat von Rom in Richtung Jerusalem unterwegs und nun noch einen Monat von Almeria nach Mérida. Bis Santiago bzw. Finisterre wird er sich aber einen neuen Bart stehen lassen. Wir haben verabredet, dass wir uns um halb neun im Hotel treffen und zusammen was Essen und Trinken gehen. Ich habe ihn gebeten, nach einer Bar Ausschau zu halten in der man am Abend das zweite Spiel im Champions-League-Halbfinale „Bayern München“ gegen „Paris St. Germain“ anschauen kann. Bevor ich zum Stadtbummel losgezogen bin, habe ich noch ein Schläfchen gehalten und die Aufbahrungsstätte für gut befunden. Um 17 Uhr bin ich aufgebrochen, da knallte die Sonne noch vom Himmel. Aber in den Parkanlagen an den wuchtigen Mauern, welche weite Teile der Stadt einrahmen, war es erträglich. Entlang an Mauern und Türmen bin ich bis zur Alcazaba vorgedrungen und zunächst durch die Gärten zu Füßen der Festung gelaufen, die einen schönen Blick auf die Stadt einerseits und die Festung andererseits boten. Dann ging es auf einem weiten, mit schönen alten Häusern bestandenen Platz (Plaza Alta) durch ein unscheinbares Tor hinauf in die Festung, deren Gebäude teilweise von der Universität der Extremadura benutzt werden. Mit viel Aufwand hat man hier die Festungsmauern restauriert und begehbar gemacht. So kann man zum Beispiel die ganze, von vielen Türmen gesäumte Festungsmauer auf ihrer Krone ablaufen. Das hat Spaß gemacht und viele Fotomotive geliefert. Anschließend bin ich in verschiedenen Fußgängerzonen durch die Stadt gebummelt und hab dabei auch in diverse Kirchen geschaut. In der Kathedrale am Plaza de España kam man aber leider nur noch in eine Kapelle. Als ich kurz vor acht auf dem Weg zum Hotel war, habe ich Diegos schon fast eine Stunde alte Nachricht gelesen, ob wir uns nicht um acht am Plaza de España treffen könnten, wo ich ja gerade war. Ich habe schnell zugesagt und bin umgekehrt. Wir haben uns auch problemlos getroffen und in den dortigen Kneipen gefragt, ob abends Fußball läuft. Fehlanzeige. Aber ein Wirt hat uns die Bar „La Marina“ am Paseo San Francisco empfohlen. Dort haben wir auf Anfrage die Zusage erhalten, dass das Spiel im Fernseher läuft. Da es hier auch noch „Estrella Galicia“ aus dem Hahn und eine gute Speisekarte gab, haben wir uns Plätze in Pole Position gesucht und mit einem Bier auf das Spiel eingestimmt. Zum Essen habe ich mir „Flamenquin“ bestellt. Das sind lange, mit Schinken und Käse gefüllte Kroketten. Drei Stück nebst Pommes waren als Tapa für 5,50 € ausgepreist und haben hinreichend satt gemacht. Zusammen mit ein paar Bieren kam ich da auf eine Rechnung von 11,50 € - inklusive Fernsehen. Das Spiel war zwar gut, aber von ganz offensichtlichen Fehlentscheidungen des Schiedsrichters überschattet, was für Bayern das Aus bedeutet hat. Auch Diego hat das bedauert, denn er mag den spanischen Trainer von PSG nicht und war deshalb für Bayern - von denen er mehr Spieler kannte als ich, wozu aber nicht viel gehört. Es war schon nach elf, als wir ins Hotel aufgebrochen sind und dort auf dem Flur dauerhaft Abschied genommen haben. Diego ist ein wirklich netter, sehr hilfsbereiter Kerl und es hat Spaß gemacht, ihn immer wieder zu treffen. |
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Camino Mozárabe - Tag 21 | ![]() |