Unterwegs auf dem St. Jakobus Pilgerweg Sachsen-Anhalt von Vehlen nach Freyburg

Tag 13 (Di, 21.7.2026) Vom Kloster Helfta nach Lodersleben / 22,1 km

Von Kloster Helfta ging es heute zunächst auf Kopfsteinpflaster endlos lang einen Berg hinauf und dann auf etwa gleicher Höhe zunächst über Rothenschirmbach (Autobahnkirche und dauerhaft geschlossene Kaufhalle) nach Osterhausen. Dort ist in der Karte eine Gaststätte vermerkt, aber die ist leider wegen Urlaub geschlossen. Und auch die Kirche mit der eindrucksvollen Turmhaube, die eher auf eine Burg passen würde, war zu. In der Hoffnung, einen Stempel zu bekommen, habe ich gegenüber am Pfarrhaus geklingelt. Die Frau des im Ruhestand befindlichen Pfarrers hat mir geöffnet und erzählt, dass sie zwar weiterhin im Pfarrhaus wohnen, aber keinen Stempel mehr zu bieten haben. Ich könne mich aber im Garten ausruhen und ein Glas Wasser bekommen. Ich habe noch eine Weile mit der Dame geplaudert und ganz nebenbei erwähnt, dass ich mich so auf ein Bier in der leider geschlossenen Gaststätte gefreut hätte. Da meinte sie, dass ich auch von ihr ein Bier bekommen könnte, sie wüsste aber nicht, was da im Kühlschrank ist. Ein Radeberger war‘s und der Tag war wieder in Ordnung.

Der nächste Ort, Gatterstädt, war dann aber so weit entfernt, dass ich schon wieder durstig war. Die Karte wies da einen Gemischtwarenhandel aus und ich war völlig erstaunt, dass da wirklich ein alter DDR-Konsum noch in Betrieb war. Leider haben die aber auch das Warenangebot beibehalten. Bier gab es hier zwar reichlich, aber aus Kisten, die hinter der Schaufensterscheibe aufgereiht in der Sonne standen. Das Bier war also vorgegart. Da habe ich dann doch verzichtet, so groß war die Not nun auch wieder nicht.

Zum Glück habe ich rechtzeitig auf der Herbergsliste gesehen, dass mein in Querfurt reserviertes Quartier im Ortsteil Lodersleben ist. Das ist nur drei Kilometer von Gatterstädt entfernt und ich musste gar nicht erst nach Querfurt hinein laufen.

In Lodersleben gab es wider Erwarten nicht nur den in der Karte vermerkten Edeka, sondern auch noch einen dazu gehörigen Getränkeladen, in dem ich meinen Durst löschen und ganz nett mit dem Verkäufer plaudern konnte. Im Edeka, der so klein und so vollgestellt war, dass ich meinen Rucksack absetzen musste, um durch die Reihen zu kommen, habe ich mich fürs Abendbrot eingedeckt. Auf dem Kassenzettel habe ich dann gesehen, dass ein paar Sachen teurer berechnet wurden, als am Regal ausgewiesen war. Als ich das reklamiert habe, ist die Verkäuferin mit mir zu den betroffenen Regalen gelaufen und hat dort den Preis nach oben korrigiert. Damit war für sie die Sache erledigt - keine Entschuldigung und keine Erstattung. Da hat sie aber die Rechnung ohne mich als Krümelkacker gemacht. Ich habe ihr an der Kasse aufgelauert und gemeckert, bis sie mir die Differenz ausgezahlt hat. Dabei hat sie sich nochmal zu ihrem Gunsten verrechnet, was mir leider erst später aufgefallen ist. Zu meinem Frust hat beigetragen, dass es hier weder Payback-Punkte gab, noch eine Bezahlung mit der Debitkarte möglich war, wie man es bei der „Einkaufsgemeinschaft der Kolonialwaren­händler“ gewohnt ist.

Kurz darauf habe ich aber ein paar nette Leute getroffen. Zunächst einen Herren, der auf dem Pfarrgrundstück zu tun hatte und mir aufgeschlossen hat, damit ich meinen Rucksack abstellen kann; dann der Herr am Telefon, der gleich jemand losgeschickt hat, um mich in Empfang zu nehmen und schließlich das überaus freundliche Rentnerehepaar, dass wenig später kam und mich in die Herberge eingewiesen hat. Die Beiden sind vor zwei Jahren aus (Ost-) Berlin-Mitte hierher gezogen, weil hier ein Haus nach ihrem Geschmack preiswert zu haben war. Sie sind hier sehr freundlich aufgenommen worden und haben sich schnell integriert, unter anderem weil sie sich stark im Förderverein für Kirche und Pfarrhaus engagieren. Stolz haben sie mir im Pfarrhaus die Jugendräume gezeigt, die sie eigenhändig und zum Teil sogar mit eigenem Geld renoviert und mit eigenen Möbeln ausgestattet haben. Da kann ich diese Nacht schlafen.

Bevor wir uns verabschiedet haben, zeigten sie mir noch die Kirche von innen und außen sowie die Gräber auf der Rückseite. Hier sind wieder mal Herren „von der Schulenburg“ vertreten, aber auch „von Kotze“.


St. Jakobus Pilgerweg Sachsen-Anhalt - Tag 13

Eine Abraumhalde am Weg, gleich hinter Helfta
Der Weg führt lange bergauf.
Ein Blick zurück ins Tal
Ein Rastplatz am Jakobs- und Lutherweg
Ein gemütlicher Hochsitz
Dem Pferd geht es gut
Ein überdachter Rastplatz mit Informationen zum ehemaligen Benediktinerinnenkloster Holzzelle
Ein Forsthaus kurz vor Rothenschirmbach
Rothenschirmbach, St.-Pankratius-Kirche
Rothenschirmbach. Laden und Gaststätte sind leider geschlossen, vermutlich dauerhaft.
Der Weg von Rothenschirmbach nach Osterhausen
Die Landschaft zwischen Rothenschirmbach und Osterhausen
Die Landschaft zwischen Rothenschirmbach und Osterhausen
Osterhausen. Das griechische Restaurant „Syrtaki“ ist wegen Urlaub geschlossen
Osterhausen. Die Kirche ist leider auch verschlossen.
Osterhausen, ein kühles Getränk im Garten des Pfarrhauses
Osterhausen, Garten des Pfarrhauses
Osterhausen, Garten und Wirtschaftsgebäude des Pfarrhauses
Der Weg von Osterhausen nach Gatterstädt
Ein Rastplatz am Weg von Osterhausen nach Gatterstädt
Das ist der ideale Platz für ein Mittagschläfchen.
Gatterstädt, St.-Georgi-Kirche von 1856
Gatterstädt, Dorfkonsum. Hinter den Schaufenstern kocht das Bier.
Die Windmühle Lodersleben zwischen Gatterstädt und Lodersleben
Die Windmühle Lodersleben zwischen Gatterstädt und Lodersleben
Lodersleben, Gemeindehaus in der Straße des Friedens
Lodersleben, Pilgerherberge im Gemeindehaus
Lodersleben, St.-Pankratius-Kirche. Polygonaler Chor von 1518, barockes Kirchenschiff von 1718
Lodersleben, Kirche mit Patronatslogen (Fam. Starschede und Danckelmann) auf beiden Seiten des Chores
Lodersleben, Kirche. Langhausemporen mit Akanthusornamenten
Lodersleben. Die Orgel der Kirche von 1910 (Fa. Walcker, Ludwigsburg)
Lodersleben, Kirche. Patronatsloge der Familie Starschedel von 1684 auf der Südseite des Chores
Lodersleben, Grabsteine an der Kirche, u. a. für Caroline Gräfin von der Schulenburg, geb. von Kotze