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Unterwegs auf dem Camino Mozárabe von Málaga nach Mérida und weiter nach Badajoz | ![]() |
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Tag 10 (Sa, 25.4.2026) Von Santa Cruz nach Córdoba, Urban. Paraiso Arenal (33,1 km)
Da einige Kilometer anstanden und ich möglichst früh in Córdoba sein wollte, um dort sicher in die Moschee-Kathedrale, die Mezquita, zu kommen, habe ich mir den Wecker auf um fünf gestellt. Der hat mich mal richtig aus dem Tiefschlaf geholt, sonst habe ich mich um diese Zeit schon schlaflos im Bett gewälzt.
Ich hatte mich bis zum Morgen noch nicht entschieden, wie ich laufen werde. Die offizielle Route durch das übliche Gelände ist lt. Routenplaner 25,9 km lang, entlang der M-432 sind es zweieinhalb Kilometer weniger, was allein nicht viel bringt. Aber da die Straße viel weniger Höhenunterschiede aufweist, bietet sie einen deutlichen Zeitvorteil. Andererseits ist es aber auch etwas nervig, 6…7 Stunden am Straßenrand zu laufen, auch wenn der hier sehr breit und das Laufen dort ungefährlich ist. Orte oder Gaststätten gibt es auf beiden Routen nicht. Ich habe die Entscheidung vom Wetter abhängig gemacht: bei Regen Straße, sonst die reguläre Strecke. Als ich um sechs vor die Tür getreten bin, stand ich vor einer großen Pfütze und ringsum war alles nass. Es hat zwar gerade nicht geregnet, aber die auch in der Dunkelheit wahrnehmbaren, dicken Wolken ließen vermuten, dass der Regen nur eine Pause gemacht hat. Also war klar, dass ich auf der Straße laufe. Und diese Entscheidung war sicher richtig, denn wann immer ich auf einen kleinen Sand- oder Lehmklecks getreten bin, der angespült oder von einem Lkw hinterlassen wurde, bin ich gerutscht. Auf dem „richtigen“ Weg, der vermutlich überwiegend aus solchem Material besteht, hätte das eine gute Schlitterpartie gegeben. Ich hab‘s schon mal gesagt: ich habe nichts gegen schlüpfrige Witze, aber schlüpfrige Wege mag ich überhaupt nicht. Auf der Straße war am Samstagmorgen erwartungsgemäß nicht viel los. Trotzdem habe ich mich mit dem kleinen LED-Lämpchen dekoriert, das ich vor einiger Zeit geschenkt bekommen habe. Das Ding ist genial. Es hat einen Clip, mit dem man es am Rucksackriemen oder am Hosenbund festmachen kann. Ich bevorzuge letzteres, weil dann das Licht genau so auf die Straße fällt, dass der Bereich vor einem ausgeleuchtet ist. Man muss nur aufpassen, dass der Bauch nicht über die Lampe rüber hängt, denn dann sieht man gar nichts. Wenn man die Lampe etwas nach oben richtet, kann man damit auch Verkehrsschilder und reflektierende Wegweiser in hundert Meter Entfernung perfekt ausleuchten. Aber dann blendet man auch die Autofahrer, was die nicht mögen und einem selbst zum Verhängnis werden kann. Es lief aber alles reibungslos und ich bin sehr gut vorwärts gekommen. Der Sonnenaufgang ist zwar ausgefallen, aber etwa ab halb acht konnte man auch ohne Lampe gut sehen und gesehen werden. Obwohl ich vergessen hatte, nach meiner letzten Tour die Lampe wieder aufzuladen, hat sie hervorragend durchgehalten. Etwa um die Zeit, als es hell wurde, begann es zu regnen. Da habe ich den bekannten Poncho-Trick angewandt. Das heißt, ich habe den Regenponcho rausgeholt und übergezogen - und schlagartig hat der Regen wieder aufgehört. Da es aussah, als ob das nicht von Dauer ist, habe ich den Poncho aber angelassen. Weil es morgens nicht sehr warm war, war es darunter recht angenehm. Als ich ihn dann aber ausgezogen habe, war das T-Shirt ganz nass geschwitzt und klebte auf der Haut. So konnte ich nicht weiterlaufen, sonst hätte ich mir eine Erkältung geholt. Also war Striptease am Straßenrand angesagt. Ich habe ein trockenes T-Shirt aus dem Rucksack geholt und versucht, das nasse auszuziehen. Das war aber ein Akt! Ich habe das bis über den Kopf gezogen bekommen und dann ging es nicht weiter, weil das Ding am Körper klebte. Da konnte ich mich winden und verrenken, aber es ging nicht weiter. Dieses, für die Vorbeifahrenden sicher sehr amüsante Schauspiel hat eine Ewigkeit gedauert, so wie Striptease-Liebhaber es mögen. Aber irgendwann war es geschafft und am Straßenrand war kein nackter Oberkörper mehr zu sehen. Nicht zu sehen war auch Córdoba, als ich den letzten Hügel vor der Stadt überwunden hatte. Die tief hängenden Wolken ließen nur am Horizont Häuser vermuten. Erst sehr spät konnte man Details erkennen, wie die von Bildern bekannte Silhouette der Mezquita. Das ist ein großer, flacher Bau, aus dem das Oberteil einer Kirche und ein zum Glockenturm umfunktioniertes Minarett herausragen. Dorthin gelangt man, vorbei an Resten von Befestigungsanlagen, über eine lange Brücke aus der Römerzeit. Dort wimmelte es an Menschen, die ihren Autos oder Reisebussen entstiegen waren. Weil Reisegruppen immer wieder stoppten und auf die ganze Brückenbreite verteilt ihrem Anführer lauschten, war es schwer durchzukommen, zumindest wenn man es eilig hat. Und ich hatte es eilig, da ich nicht wusste, wie limitiert der Zugang ist und ob man noch für den gleichen Tag Tickets bekommt. Ich hatte zwar am Tag zuvor und auf dem Weg immer mal eine Seite konsultiert, auf der man Tickets hätte kaufen können, und gesehen, dass da noch alle Zeitfenster verfügbar sind. Buchen wollte ich jedoch auf der Seite nichts, da ich ja nicht wusste, wann ich da sein werde, und weil sich zeigte, dass die Preise da überzogen waren. Die wollten 30 € für ein Ticket haben, inklusive einem Audioguide für 5 €, den man sich aber auch kostenlos herunterladen kann. Bei der Recherche nach Rentner- oder Pilgerrabatten habe ich zum Glück mitbekommen, dass man vor Ort nur 15 €, als Rentner sogar nur 12 € bezahlt. 12 € statt 30 € waren mir das Risiko wert, es ohne Buchung zu versuchen. Zwecks Kartenkauf habe ich zunächst das gleich am Brückenkopf liegende Besucherzentrum angesteuert, aber da gibt es keine Tickets, sondern nur in einem Gebäude neben der Moschee, in dem auch das zugehörige Museum ist. Dort gab es Ticketautomaten und einen einsamen Herrn am Schalter. Nirgendwo eine Schlange. Es war ein paar Minuten nach 11 Uhr und ich habe ein Ticket für 11.30 Uhr bekommen! Nun musste ich allerdings noch meinen Rucksack loswerden, weil mir zwei Sicherheitsbeamte erklärt haben, dass ich damit nicht in die Moschee komme. Der Kontrolleur am Eingang zum Ticketverkauf war da kulanter und hat es auch unterlassen, im Rucksack zwischen der Dreckwäsche nach irgendetwas zu suchen. Durch meine Umziehaktion an der Straße war da drin alles zerwühlt und obenauf war noch mein Regenponcho geknüllt. Da konnte man nicht tief in den Rucksack schauen oder greifen. Bei der Frage „Wohin mit dem Rucksack?“ musste ich erfahren, dass es weder in dem Gebäude mit dem Ticketschalter, noch im Besucherzentrum Schließfächer gibt. Angeblich ist in der gegenüber beginnenden Straße ein „Locker“, das heißt ein Laden mit Schließfächern. Als ich den nach zweihundert Metern noch nicht gefunden hatte, habe ich in einem Laden gefragt und die Verkäuferin hat mich an den daneben liegenden Tabak- und Lottoladen verwiesen. Dort konnte ich für 3 € meinen Rucksack abstellen. Der Inhaber hat mich aber eindringlich darauf hingewiesen, dass der Laden sonnabends immer um drei schließt. Das waren noch fast vier Stunden, also Zeit genug. Ohne irgendeinen Beleg zu bekommen, habe ich dem Herrn meinen Rucksack anvertraut, den er in einer Ecke hinter seinem Tresen abgestellt hat. Nun konnte die Moschee-Besichtigung losgehen. Am Eingang zur Mezquita stand zwar eine Schlange, aber da ging es sehr schnell. Innen angekommen, war wohl jeder begeistert. Die im 8. Jahrhundert erbaute und in der Folgezeit immer wieder umgebaute und erweiterte Moschee besteht aus einem Raster an Säulen, die miteinander durch Bögen verbunden sind. In Form, Größe und Farbe alles sehr einheitlich und vermutlich dadurch so beeindruckend. Nach der Vertreibung der Araber wurde die Moschee im 13. Jahrhundert in eine Kirche umgewandelt und mit Altären versehen. Erst im 16. Jahrhundert erfolgte der Umbau, bei dem in der Mitte des Baus Säulenreihen entfernt und eine Kathedrale eingefügt wurde, die zwar nicht sehr groß ist, aber oben aus dem ansonsten flachen Bau der Moschee herausragt. Ein besonderes Schmuckstück der Kathedrale ist das große, sehr detailliert geschnitzte Chorgestühl. Der Kirchenbau fügt sich nach meinem Empfinden so hervorragend in den Bau ein, dass man denkt, die verbliebenen Säulenreihen wären als Vorbau gedacht gewesen. An den Rändern hat man übrigens lauter Kapellen zwischen die Säulen gesetzt, die allen möglichen, teilweise mir bislang völlig unbekannten Heiligen gewidmet sind. Die Figuren und das verwendete Gold stehen eigentlich in einem krassen Gegensatz zur Schlichtheit der arabischen Architektur, aber irgendwie ergänzt es sich auch. Das gedämpfte Licht lässt zudem alles fast märchenhaft erscheinen. Ich finde, das ist eine gelungene Vermischung verschiedener Kulturen und Religionen. Man hätte mal auch in den Berliner „Palast der Republik“, genannt „Palazzo Protzo“, eine Kirche reinsetzen sollen, statt ihn abzureißen. Eine neue Kathedrale im Palast hätte vielleicht auch die Verschandelung der nahen Hedwigskathedrale durch Umbau erübrigt. Ich war bestimmt zwei Stunden in der Moschee-Kathedrale und hätte es da auch noch eine Weile länger ausgehalten, weil ich immer wieder neue, beeindruckende Blickwinkel entdeckt habe. Der Bau ist einfach großartig. Als ich wieder ins Freie kam, waren die Regenwolken verzogen und die Sonne brannte in gewohnter Art vom Himmel. Vorm Abstellen des Rucksacks hatte ich noch meinen Anorak rausgekramt, weil ich befürchtete, dass es regnet, wenn ich rauskomme. Nun musste ich den mit mir rumschleppen. Trotzdem bin ich noch in das zur Mezquita gehörige Museum, in dem es vor allem um die Baugeschichte ging. In gut gemachten Animationen konnte man auf einer Leinwand und auf großen Monitoren die Bau- und Umbauarbeiten verfolgen. Originell fand ich ein hölzernes Modell der Moschee-Kathedrale, das an der Decke hängt, so dass man von unten reinschauen kann. Nach den kulturellen Genüssen war es regelrecht unangenehm, sich in den Strom der Menschen durch die Altstadt, speziell durch die Calle Lineros einzureihen, da es hier furchtbar laut zuging. Etliche Gruppen von Männern und Frauen, die Junggesellenabschied feierten, zogen durch die Stadt und deren Aufeinandertreffen war immer mit Grölen und Kreischen verbunden. Die Terrassen der Gaststätten waren alle voll und an manchen standen die Leute an, um einen Platz zu bekommen. Obwohl noch Zeit war, habe ich mir meinen Rucksack geholt und mich in etwas ruhigere und mindestens genauso schöne Ecken der Altstadt zurückgezogen. Leider waren sämtliche Kirchen verschlossen, aber mit etwas Glück konnte ich in einige wunderbare Innenhöfe und Treppenhäuser schauen. Auffallend war der Blumenschmuck an vielen Häusern, der das Spazieren durch die engen Gassen zur Freude gemacht hat, zumal es da schattig und kühl war. Mein Versuch, um vier in einer Gaststätte noch was zu essen zu bekommen, ist allerdings gescheitert, wobei ich es nur dort probiert habe, wo es ein Tagesgericht oder zumindest eine verständliche Speisekarte gab. Gaststätten, die mit mehr als dreißig Tapas warben, aber keine Liste hatten, auf der man sie sich hätte aussuchen können, schieden aus. Zwei „Napolitano Mixto“ (Blätterteigtaschen mit Käse und Schinken) aus dem Supermarkt haben letztlich auch geschmeckt und satt gemacht. Gegen fünf habe ich mich dann zu meinem Quartier außerhalb der Stadt aufgemacht, aber auf dem Weg dorthin noch einen „Coviran“ aufgesucht, um mich mit Essen und Trinken für den Abend und für den nächsten Tag (Sonntag) einzudecken. Mit vollgepacktem, schwerem Rucksack ging es unter Eisen- und Autobahn hindurch ins Grüne. Wie schon oft bestaunt, ist die Stadtgrenze auch hier ganz abrupt. Gerade ist man noch durch Straßen mit Fünfgeschossern gelaufen und schon steht man im Grünen. Nun waren es noch etwa fünf Kilometer auf Trampelpfaden und verlassenen Straßen bis zur Urbanisation „Paraiso Arenal“, wo ich mich für 30 € bei „Miguel de Molina“ eingemietet habe. Das ist ein schönes, sehr modernes Haus mit Grundstück ringsum und einem großen Swimmingpool. Es ist keine richtige Pension, sondern ein Einfamilienhaus, in dem Zimmer vermietet werden. Es gibt mindestens ein teureres „airbnb“-Zimmer und ein kleines, schön und praktisch eingerichtetes Gästezimmer, das für Pilger vorgehalten wird. Die Benutzung einer sehr toll eingerichteten Küche und des Kühlschrankinhalts ist mit dabei. Mit Paco, dem Hausherrn habe ich nach dem Einchecken noch eine Weile gesessen und geplaudert, dann gelüstete es mich aber, meine durchgeschwitzten Sachen loszuwerden, unter die Dusche zu steigen und dann die Beine hochzulegen. Mit Stadtbummel waren es heute über 37 km und ich war ziemlich geschafft. |
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Camino Mozárabe - Tag 10 | ![]() |