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Unterwegs auf dem Camino Mozárabe von Málaga nach Mérida und weiter nach Badajoz | ![]() |
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Tag 11 (So, 26.4.2026) Von Córdoba, Urban. Paraiso Arenal nach Villaharta (30,9 km)
Ich hätte in dem schönen Quartier bei Paco und seiner Familie viel besser schlafen können, wenn da nicht die Mücken gewesen wären. Da ich mit denen noch gar nicht gerechnet hatte, habe ich das Rollo nicht ganz runter gelassen und die Biester sind offenbar unten durchgekrochen. Als ich nachts wach wurde, weil mir schon ein paar Stellen am Arm juckten, saßen doch drei Mücken (vermutlich) frech grinsend auf dem Kopfende des Bettes. Da ich nicht die Fähigkeiten des tapferen Schneiderleins besitze, konnte ich leider nur eine bestrafen. In einer anderen Wachphase habe ich meinen Bericht komplettiert, bevor ich bis zum Morgen alles vergesse.
Zum Zimmerpreis gehörte hier das Frühstück, das für spanische Verhältnisse sehr üppig ausfiel. Es gab verschiedene Backwaren wie Croissants, sechs oder sieben Gläser mit Keksen, vier Sorten Cornflakes, Milch, Saft, Toastbrot usw. Da ich schon am Abend gesagt hatte, dass ich nicht viel Süßkram essen darf, stand im Kühlschrank auf meinem Proviant (Kochschinken und Käse) eine zusätzliche Büchse Streichkäse. Ein paar damit und mit meiner Pastete bestrichene Toastbrote haben hinreichend satt gemacht und eine zuckerfreie Sorte Cornflakes mit Milch hat das abgerundet. Kaffee gab es aus einem in die Küchenmöbel integrierten Automaten und der war sehr köstlich und nicht limitiert. Gut gesättigt und abgefüllt bin ich kurz vor neun losgezogen und einer mir empfohlenen Abkürzung gefolgt. Hinter der Urbanisation, die sehr schön ist und weiter wächst, war der Camino wieder erreicht. Nun ging es auf den verbleibenden etwa 10 Kilometern der Etappe von Córdoba nach Cerro Muriano ziemlich steil bergauf: von gut einhundert auf fast sechshundert Meter. Aber das war gar nicht so schlimm wie gedacht, denn hier war keine endlose, geschotterte Schräge zu bewältigen, sondern es ging von einem Felsbrocken zum nächsten, also auf einer „natürlichen Treppe“ hoch, was Spaß gemacht und ordentlich gemetert hat. Auch wenn der Weg mitunter abenteuerlich aussah, war er bei entsprechender Vorsicht weniger gefährlich, als ein schräger Betonweg mit Split obendrauf. Ich bin zumindest nirgendwo gerutscht und zu Boden gegangen. Und mein rechtes Knie, das zuletzt jeden Gang in den Keller zur Qual hat werden lassen, hat bestens und schmerzfrei mitgespielt. In Cerro Muriano, auf dem Pass der überwundenen kleinen Bergkette, gab es beidseits der Straße einige Restaurants. In einem, das die anderen dadurch ausgestochen hat, dass es „Estrella Galicia“ auch aus dem Hahn gab, habe ich aufgetankt und einen wunderbaren Tomatensalat mit viel Zwiebeln und ein paar Muscheln gegessen. Da war es erst kurz nach zwölf, also noch genug Zeit, um die etwa zwanzig Kilometer lange Etappe nach Villaharta anzuhängen - so wie ich es geplant und bezüglich der Unterkunft in Villaharta mühevoll organisiert hatte. Auf dem Weg nach Cerro Muriano waren übrigens außer waghalsigen Mountainbikern einige Jogger und Wanderer unterwegs. Darunter ein älterer Herr im Camino-T-Shirt, der vermutlich die Strecke inspiziert hat und mir entgegen kam. Der erzählte, dass etwa 2 km voraus deutsche Pilger unterwegs sind. Dass ich die mit meinem lahmen Schritt in freier Wildbahn nicht einholen werde, war klar. Aber vielleicht treffe ich sie einer der Bars am Weg oder abends in der Herberge? Fehlanzeige. Dafür habe ich in einer Bar in Cerro Muriano einen netten spanischen Wanderer getroffen, der mich in ganz gutem Englisch ausgefragt und erzählt hat, dass er schon zwei Caminos gelaufen ist. Den habe ich unterwegs nochmal getroffen, als er gedreht hat, um in Cerro Muriano den Bus zurück nach Córdoba zu schaffen. Ich bin gerade heute wiederholt angesprochen worden, auch von Mountain-Bikern, die extra angehalten haben. In einem Ort am Weg hat mir eine Frau Wasser angeboten und erzählt, dass ihre Familie auch schon mal in Santiago war. Sowas finde ich immer furchtbar nett, weil es zeigt, dass es den Leuten nicht egal ist, wer da an ihrem Haus vorbei läuft. Ab Cerro Muriano ging es entlang der nur mäßig befahrenen N-432a bzw. auf einem Feldweg dicht daneben. Ich bin aber nach Möglichkeit am Straßenrand geblieben, statt auf dem parallel verlaufenden Weg ständig um Pfützen herum tänzeln zu müssen. Da hat es gestern mal eine Nacht lang geregnet und schon sind die Wege so in Mitleidenschaft gezogen. Hinter dem Straßenkreuz, an dem die von mir genutzte Straße in die N-432 nach Badajoz mündet, ging es entlang einer stillgelegten Eisenbahnlinie, deren Schienen noch fast komplett erhalten, aber teilweise von Grünzeug überwuchert sind. Dann wechselt der Weg auf eine stillgelegte Straße, die über viele Kilometer parallel und nur wenige Meter entfernt von der N-432 verläuft. Da, wo man sie nicht zwecks Renaturierung mit Erdreich bedeckt hat, sieht man, dass sie in einem recht guten Zustand ist und auch die für eine Nationalstraße übliche Breite hat. Warum man hier eine neue Straße direkt daneben gehaut hat, verschließt sich dem zugereisten Laien. Vermutlich gab es nur für den Neubau einer Straße Fördermittel und nicht für den Erhalt einer Straße. Man hat die alte Straße auch nicht wie sonst üblich als Service-Straße deklariert und hergerichtet, um bei Bauarbeiten oder Unfällen den Verkehr auf sie leiten könnte. Die Zufahrten sind einfach alle gekappt worden. Erst ab El Vacar, einem kleinen Ort mit 150 Einwohnern, einer Kirche und drei Kneipen, dient die Straße dem Anliegerverkehr. Vermutlich, damit die Kneipenbesucher abends mit dem Auto in die umliegenden Dörfer kommen, ohne auf die Nationalstraße zu müssen. Für mich hat diese Straßenpolitik den Vorteil gebracht, dass ich über viele Kilometer auf einer gut brauchbaren Straße ohne jeglichen Verkehr laufen konnte. Da es zudem nur ganz leicht, kaum merkbar aufwärts ging und die Temperatur mit 22…24 Grad gut auszuhalten war, bin ich schnell vorangekommen. Das war auch gut, denn mittags rief mich der Verwalter der Herberge von Villaharta an und fragte, wann ich ankommen werde. Weil ich merkte, dass er kaum Englisch spricht und deshalb nur eine konkrete, leicht verständliche Antwort Sinn macht, habe ich „six o’clock“ gesagt, statt mit „vielleicht“ oder „zwischen sechs und sieben“ rumzueiern. Der Routenplaner war dann aber der Meinung, dass es eher halb sieben wird. Daraufhin habe ich einen Schritt zugelegt, um die halbe Stunde reinzuholen. Und tatsächlich war ich genau um sechs, als die Glocken schlugen, in Villaharta vor der Herberge, die sich hier „Casa del Peregrino“ (Haus des Pilgers) nennt. Die war wie erwartet verschlossen und ich habe die Nummer angerufen, die mir am Tag zuvor gesagt wurde. Es hat zwar mehrerer Versuche bedurfte, aber dann ging jemand ran, der offenbar auf meinen Anruf gewartet hat und sagte, dass er in einer Minute da sei. Viel länger hat es auch nicht gedauert, bis ich Einlass in die Herberge mit acht Betten, verteilt auf drei Räume, bekam. Der Herr hat sogar einen Stempel und einen Kartenleser zum Bezahlen der 10 € mitgebracht. Sehr erfreut war ich, als er auf die Waschmaschine verwies und zeigte, wo das flüssige Waschmittel steht. Als er weg war, bin ich nur schnell nebenan in einen Laden, um Getränke für den Abend und den nächsten Tag zu kaufen. Essbares hatte ich noch genug dabei. Dann habe ich alle Sachen, die ich am Leibe hatte, und das, was sich schon an Dreckwäsche angesammelt hatte, in die Maschine geschmissen. Am Ende des 15-Minuten-Schnellprogramms mit Schleudern war die Wäsche schon halbwegs trocken. Ich habe sie trotzdem für 60 Minuten in das über der Waschmaschine stehende, futuristisch aussehende Gerät getan - in der Hoffnung, dass es sich nicht um einen Häcksler, sondern einen Wäschetrockner handelt. Es war einer. Glück gehabt! |
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Camino Mozárabe - Tag 11 | ![]() |