Unterwegs auf dem Camino Mozárabe von Málaga nach Mérida und weiter nach Badajoz
Tag 13 (Di, 28.4.2026) Von Alcaracejos nach Hinojosa del Duque (21,8 km)
Heute war verdientermaßen ein Ruhetag angesagt. Es standen nur gut 20 Kilometer auf dem Plan und dies in einer fast glatten Landschaft. Da konnte man morgens schon mit Bummeln beginnen, das heißt ausschlafen und den gestern ausgefallenen Bericht schreiben. Danach begann der Tag, wie der gestrige geendet hat: mit einer Paella mit Meeresfrüchten aus der Mikrowelle. Wobei, gestern hatte ich Fideuá, das ist das Gleiche, nur mit Nudeln statt Reis. Diese und weitere leckere Mikrowellen-Gerichte der Firma Carretilla bekommt man komischerweise nur in kleinen, privaten Supermärkten und nicht bei den großen Ketten Mercadona, Dia, Coviran usw.

Gegen halb neun bin ich dann aufgebrochen. Die Tschechin, Veronika, hat sich da gerade ihr Frühstück gemacht. Gestern abend hat sie, da sie kein Brot mag, Kartoffelscheiben gekocht und gegessen. Zum Kochen musste sie (wie ich für meine Nudelsuppe als Vorspeise) die einzige Pfanne nehmen, die es gab. Töpfe waren leider nicht zu finden. Aber ansonsten war die Herberge gut. Wie schon die vorherigen mit Bettwäsche, so dass man den Schlafsack nicht rausholen musste. Und wieder mit Waschmaschine und Trockner, samt Waschmittel im Übernachtungspreis von 10 € enthalten.

Gestern war auf der Strecke von 34 km keinerlei Ortschaft, heute gab es zwischendurch gleich zwei, Villanueva del Duque und Fuente la Lancha. Außerdem ein Gewerbegebiet, wo man sich an einer Tankstelle hätte versorgen können. In Villanueva hätte man gut einkaufen können, aber da hatte ich keinen Bedarf, denn für unterwegs hatte ich was dabei und das Abendessen wollte ich mir am Ziel kaufen. Stattdessen habe ich das Rathaus besucht, wo es einen Stempel gab und ich die Toilette benutzen durfte. Das ist mir übrigens bisher noch nie verwehrt worden.

In Fuente stand mal die Kirche offen, weil dort Männer dabei waren, Gerätschaften, die in der Semana Santa (Osterwoche) gebraucht wurden, mit einem Auto wegzufahren. Einer der Männer entpuppte sich als der Pfarrer und führte mich in die Sakristei, um mir dort einen Stempel zu verpassen. Hier hätte ich mal Interesse an einem Kaffee gehabt, vielleicht sogar an einem zweiten Frühstück, aber eine Bar gab es nur an der Landstraße und da wollte ich nicht extra hinlaufen. Ich habe stattdessen im Schatten des Kirchturms auf einer Parkbank Picknick gemacht und mich dabei auch nicht beeilt. So wurde es zwölf und ich war erschrocken, als der Routenplaner mir sagte, dass noch 12 Kilometer anstehen. Ich wäre doch gern vor drei am Ziel gewesen, weil man sich dann (angeblich) den Herbergsschlüssel im Rathaus holen kann. Wenn man später kommt, muss man sich den bei der Polizei holen, was ein Problem ist, wenn die Polizisten gerade auf Verbrecherjagd sind, Streife fahren oder das Angebot der Gaststätten überprüfen.

Der Routenplaner sagte mir, dass ich 3:15 Stunden brauche. Erfahrungsgemäß kann man da mit flottem Schritt immer 10 Minuten pro Stunde rausholen. Dann wäre ich um dreiviertel drei da, also auf den Punkt genau. Ich habe also den flotten Schritt gewählt und bin trotz Eile überwiegend dem ausgewiesenen Weg gefolgt, statt die Straße zu benutzen. Diese führt schnurgerade durch die Landschaft, der Weg verläuft ein paar hundert Meter entfernt parallel zur Straße und ist ganz gut begehbar.

Genau um 14.45 Uhr war ich im Rathaus, wo ich aber nur noch die Putzfrau angetroffen habe, die mich zu dem zum Glück im gleichen Haus befindlichen Polizeirevier geschickt hat. Der Polizist wollte gerade aufbrechen, hat aber noch für mich Schlüssel und Stempel besorgt. Nach einem Ausweis hat er zwar gefragt, sich aber diesen nur angeschaut und gleich zurückgegeben. In manchen Unterkünften muss man lange Fragebögen mit allen persönlichen Angaben, Ausweisnummer, Ausstellungsdatum usw. ausfüllen, weil die Polizei das angeblich so haben will.

Die Pilgerherberge von Hinojosa del Duque befindet sich praktisch im gleichen Gebäude wie das Rathaus und das Polizeirevier, der Eingang ist in einer Seitenstraße. Dort habe ich in einem der vier Doppelstockbetten Diego angetroffen, einen Galicier, der eigentlich auf dem Pilgerweg von Rom nach Jerusalem war, dann aber des Krieges wegen in Trieste abbrechen musste. Er ist notgedrungen nach Venedig umgekehrt, von dort nach Málaga geflogen und mit dem Bus nach Almería gefahren, wo er sich auf den Mozarabischen Camino begeben hat, auf dem er bis in seine Heimat und ganz gewiss bis nach Finisterre laufen will. Er wohnt nur 15 km vom Kap entfernt in Cee. Da bin ich auch schon durchgekommen.

Die hiesige Herberge hat neben dem Schlaf- auch noch einen Aufenthaltsraum mit einem großen Tisch und ganz verschämt in einer Ecke einem Kühlschrank und einer Mikrowelle. Auf dem Kühlschrank stehen ein paar Teller, zwei Gläser und etwas Besteck. Der restliche Raum ist vollgestopft mit Technik: der übliche Serverschrank an der Wand und das Info-Terminal, das alle fünf Minuten einen Neustart macht, zwei große Fernseher und zwei ziemlich neu aussehende Computerarbeitsplätze. Über deren Nutzen muss man nicht nachdenken. Die Computer haben nichts gekostet, sondern sind lt. Aufkleber von der EU finanziert worden. Der Schwachsinn kennt hier keine Grenzen. Wer unterwegs Homeoffice machen will, hat einen Laptop dabei und wer sonst mal an einen Computer muss, weil das Smartphone nicht mitspielt, der findet hoffentlich in einem der überall präsenten Touristen-Offices Hilfe.

Ich habe schnell mein Bett bezogen und dann gleich ausprobiert, ob das auch was taugt. Es ist gut! Nach dem Mittagsschläfchen war es fast um fünf und Zeit zum Einkaufen. Ich bin zum nächst gelegenen Supermarkt, der sich als sehr brauchbar erwies, zumal es meine Fideuá gab und „Estrella Galicia“ für unschlagbare 60 Cent zu haben war. Ursprünglich hatte ich vor, heute hier in einer Gaststätte am Platz das angebotene Pilgermenü zu probieren. Das hat sich damit erübrigt. Während ich meine Einläufe verzehrt habe, bot sich Gelegenheit, mit Diego und Veronika zu schwatzen, die irgendwann nach fünf auch eingetroffen ist. Diego hat erzählt, dass er nach diversen Herzoperationen praktisch berentet ist und nur immer mal für ein paar Stunden arbeitet. Da hat er viel Zeit zu pilgern und er kann versichern, dass es ihm gesundheitlich nirgendwo so gut geht wie auf einem Pilgerweg.

Morgen steht wieder eine 34-Kilometer-Etappe an, die sich nicht teilen lässt, weil auf der Strecke keinerlei Orte sind. Aber wenigstens sieht das Profil der Etappe nicht so schlimm aus wie vorgestern. Ich habe reichlich Getränkevorrat besorgt und auch was zum Knabbern für unterwegs. Vorgestern hatte ich nur eine 21 g-Tüte Erdnussflips dabei, die ich mir so gut eingeteilt habe, dass abends sogar noch was übrig war. Für morgen habe ich 30 g dabei, da kann ich mich richtig satt essen.

Camino Mozárabe - Tag 13