Unterwegs auf dem St. Jakobus Pilgerweg Sachsen-Anhalt von Vehlen nach Freyburg

Tag 9 (Fr, 17.7.2026) Von der Huysburg nach Bad Suderode / 39,4 km

Ich habe in meiner Klosterzelle auf der Huysburg ganz hervorragend geschlafen und war recht zeitig wach. Trotzdem habe ich das Morgengebet (Vigil) der im hiesigen Kloster wohnenden Mönche verpasst. Nicht dass ich zu lange geschlafen hätte - ich war um halb sechs aus dem Bett, hatte mir aber eine falsche Zeit gemerkt. Das ging schon um sechs los. Nun hätte ich bis zur nächsten Andacht (Morgenlob) warten können, aber die war „erst“ um halb acht. Da wollte ich längst unterwegs sein. Das war ich dann auch, nachdem ich einen Blick in die Kirche geworfen und dann Schlüssel, Meldezettel und 20€ im Schlüsselsafe deponiert habe, weil die Rezeption noch nicht besetzt war.

Vom Berg, auf dem die Huysburg thront, runter ins Tal ging es auf ziemlich üblen Feldwegen, wo man über den Windbruch des letzten Sturmes klettern musste. Unten angekommen ging es auf Feldwegen weiter, meist auf solchen mit Beton-Fahrstreifen. Da kam ich gut voran und war schon kurz nach neun in Halberstadt. Dort war ich ob der vielen, überwiegend gut restaurierten Fachwerkbauten erstaunt. Neubauten hat man zumindest in der Innenstadt halbwegs gekonnt dazwischen gesetzt. Mein Ziel war natürlich zunächst der Halberstädter Dom, der eine Seite des lang gestreckten Domplatzes behauptet, am anderen Ende steht die viertürmige Liebfrauenkirche. Beide waren zu dieser frühen Stunde noch verschlossen. Da sich am Dom ein Stempelkasten fand, musste ich auch nicht warten, bis geöffnet wird. Die Kirchen schaue ich mir alle ein anderes Mal an. Heute war nicht genug Zeit dafür, denn ich wollte bis Bad Suderode, das sind von der Huysburg gut 38 km.

Hinter Halberstadt ging es in einem weiten Bogen um die Thekenberge, eine Hügelkette, die bis etwa 260 Meter hoch ragt, dicht bewaldet ist und ein paar als Sehenswürdigkeit angepriesene Felsen aufweist. Traurige Berühmtheit haben die Thekenberge aber dadurch erlangt, dass die Nazis oder besser die von ihnen eingesperrten KZ-Häftlinge, hier ein Tunnelsystem für die Produktion von Flugzeugteilen in die Erde gruben. Die Reichsbahn hat sich mit einem Eisenbahntunnel beteiligt, der sogar auf der Karte zu sehen ist. In einer Info- und Gedenkstätte „Zwieberge“ kann man viel über die Rüstungsproduktion und den Einsatz von Häftlingen erfahren, aber hier habe ich nur einen kurzen Blick reingeworfen. Das Studium der vielen, sehr interessanten Tafeln hätte bestimmt eine Stunde gedauert.

Ab diesem Doku-Zentrum ging es für mehrere Kilometer auf einem betonierten Weg am Rand der Hügel entlang. Auf den Feldern zwischen dem Weg und der bewaldeten Hügelkette waren etliche Mähdrescher im Einsatz, um das halbwegs reife Getreide noch vor dem angekündigten Regen zu ernten. Ich habe auch geerntet, und zwar die vielen Kirschbäume am Wegesrand. Da war schon viel vertrocknet oder vergammelt, aber es hingen immer noch Unmengen leckerer Kirschen an den Ästen - natürlich vor allem da, wo niemand ran kam. Aber auch in Reichweite eines mickrigen Pilgers waren noch welche zu finden.

Nach der Überquerung der Autobahn (A36) war es noch eine Stunde bis nach Quedlinburg hinein zu laufen. Die Wolken, die sich wie vorhergesagt seit 14 Uhr am Himmel zeigten, fuhren nun aufeinander zu und entledigten sich nicht unerheblicher Wassermassen, zum Teil als Hagel.

Ich habe es gerade noch kurz vor der Kirchenschließung um vier in die Marktkirche geschafft, wo es einen Pilgerstempel gab. Auch die Touristeninfo hatte einen schönen zu bieten. In Quedlinburg könnte man stunden- und tagelang bummeln und die vielen schönen Häuser bestaunen. Ich musste mich aber auf eine Stunde beschränken, da ich noch einkaufen und dann die 9 km bis Bad Suderode in Angriff nehmen musste.

Dort angekommen war ich vom „Biking and Pilgrim Hostel“, in dem ich mich per Email angemeldet hatte, ziemlich enttäuscht. Das Vorderhaus, in dem die junge Wirtin mit ihren drei Kindern wohnt, sieht zwar etwas baufällig aus, hält aber ohne Stützbalken. Das „Hostel“ befindet sich dahinter in einem Stall, umgeben von einem rümpligen Garten. Toll ausgebaute Ställe habe ich schon einige gesehen, aber hier sieht es aus, als wären die Tiere gerade erst vertrieben worden. In meinem Raum hat man aus ein paar Balken ein Doppelstockbett gezimmert. Ich werde wie üblich unten schlafen, was aber wirklich tief unten ist, da man der Matratze nur eine Lage Europaletten als Unterbau gegönnt hat. Das Bad ist zwei Stalltüren weiter und wartet mit einem Trockenklo auf. Immerhin gibt es eine Dusche mit warmen Wasser und einem blickdichten Vorhang, der vor neugierigen Blicken der draußen vorbei Gehenden und zwischenzeitlichen Klobenutzer schützen soll. Die Dusche muss auch zum Wäschewaschen herhalten, weil das Waschbecken daneben zwar einen schönen alten Messinghahn, aber nur kaltes Wasser hat. Zur Wohnküche, die zwar auch nölig, aber gemütlich und ganz gut zu gebrauchen ist, kommt man über eine eiserne Stiege. Das ist wie Urlaub in Sibirien!


St. Jakobus Pilgerweg Sachsen-Anhalt - Tag 9

Huysburg, Klosterkirche St. Mariae Aufnahme in den Himmel
Huysburg, die Orgel der Klosterkirche
Huysburg, der Hauptaltar der Klosterkirche
Huysburg, die Taufkapelle der Klosterkirche
Huysburg. Blick zurück durch das Torhaus
Der Jakobsweg ist an der Huysburg gut markiert.
Der Abstieg vom Kloster Huysburg durch den Wald
Die Landschaft südlich des Huy
Der Weg vom Huy nach Halberstadt
Halberstadt, Blick auf den Dom (rechts) und die Martinikirche (links)
Halberstadt, Buchardistraße
Halberstadt, St.-Buchardi-Kirche
Halberstadt, Vogtei
Halberstadt, Bakenstraße
Halberstadt, Bakenstraße
Halberstadt, Liebfrauenkirche
Halberstadt, Domplatz. Blick auf den Dom
Halberstadt, Dom
Halberstadt, der Holzmarkt mit dem Rathaus. Links die Martinikirche mit den ungleichen Türmen
Die Medingschanze, südlich von Halberstadt. Im 1. Weltkrieg zu Werbezwecken errichtete Stellung
In der frei zugänglichen Medingschanze sind manche Schützengräben noch zu erkennen.
Am Nordrand der Thekenberge kreuzt der Weg die einst in den Berg führende Eisenbahnlinie
In diesem Bergzug wurden im Krieg von KZ-Häftlingen Tunnel für unterirdische Produktionsanlagen gegraben.
Die Ernte ist in vollem Gange.
Die Gedenkstätte Zwieberge westlich der Thekenberge
Die Ausstellung befasst sich mit der unterirdischen Produktion und den Lebensbedingungen der Häftlinge.
Der Weg entlang der Thekenberge nach Quedlinburg
Pünktlich um zwei ziehen sich dicke Wolken zusammen
Erst nieselt es, dann kommt ein Wolkenbruch.
Quedlinburg, die Gaststätte „Ruinen-Romantik“ am Kornmarkt
Quedlinburg, Marktstraße
Quedlinburg, Rathaus
Quedlinburg, Marktplatz
Quedlinburg, Heiligegeiststraße
Quedlinburg, Polkenstraße und St.-Nikolai-Kirche
Quedlinburg, Neustädter Kirchhof an der St.-Nikolai-Kirche
Quedlinburg, Neustädter Kirchhof an der St.-Nikolai-Kirche
Bad Suderode, Bahnübergang am Ortseingang und Triebwagen 187-011 der Harzer Schmalspurbahnen (HSB)
Bad Suderode, Bahnhof
Bad Suderode, Suderöder Straße
Bad Suderode, Alte Kirche an der Schulstraße
Bad Suderode, Neue Kirche
Bad Suderode, Wander- und Pilgerherberge „Im Grünen“
Bad Suderode. Die eigentliche Herberge im Stall: Tür links (ein Doppelstockbett) und ein Zimmer darüber
Bad Suderode, die halbwegs gemütliche Küche der Herberge, über eine Eisentreppe erreichbar