Unterwegs auf dem St. Jakobus Pilgerweg Sachsen-Anhalt von Vehlen nach Freyburg

Tag 10 (Sa, 18.7.2026) Von Bad Suderode zum Forsthaus Friedrichshohenberg / 19,6 km

Heute war von Anfang an ein optimaler Wandertag. Es lagen nur gut 18 km an, also halb so viel wie an den Vortagen, die Temperatur sollte nur bis 24 Grad steigen und Wolken waren vorhergesagt. Das hat mich dazu bewegt, lange im Bett zu bleiben und dann ganz geruhsam von Stalltür zu Stalltür zu schreiten, um Körperpflege und Nahrungsaufnahme zu betreiben. Langsam gewöhne ich mich auch an das Trockenklo, in dem man mit Sägespänen spült.

Um neun bin ich aufgebrochen und durch das Bad Suderoder Kurviertel nach Gernrode gelaufen. Erst wollte mir nicht in den Sinn, warum das Vorhandensein einer Calciumquelle ausreicht, einen Ort zum „Bad“ zu erklären. Aber dann kam ein großes, ganz modernes Kurhaus und anschließend eine ganze Reihe schicker, alter Villen und Hotels. Ganz nett anzuschauen. Selbst die paar verfallenen Villen mittendrin verströmen noch morbiden Charme.

In Gernrode läuft man direkt auf die Stiftskirche St. Cyriakus zu, die etwas erhöht mitten im Ort steht. Das ist eine romanische Basilika mit vier Türmen, die sowohl von außen, als auch von innen sehr eindrucksvoll ist. Um auch ihr Inneres zu sehen, musste ich allerdings einen Moment warten, weil es noch nicht um zehn war.

Weiter ging es dann auf schönen Wanderwegen durch kühlen und Schatten spendenden Laubwald oder entlang von Streuobstwiesen.

Das nächste Highlight war Ballenstedt. Der Jakobsweg führt da direkt durch den Schloss­park, der allerdings momentan (theoretisch) gesperrt ist, weil man die Teiche saniert. Ein Dackel führender Mann hat mir aber gezeigt, welche Absperrgitter ich umrunden muss, um zum Schloss zu gelangen, das auf einem steil aufragenden Felsen thront und einem imposanten Anblick bietet. Das Schloss ist auch aus der Nähe sehenswert. In einem Flügel befindet sich ein Filmmuseum, in einem anderen ein historisches Museum. Da habe ich mir nur einen Teil angesehen, nämlich die Grablege von Albrecht dem Bär, der nach meinen schmalen Geschichtskenntnissen maßgeblich den Barnim erobert und besiedelt hat. Im Schlosshof steht kurioserweise ein leerer Denkmalssockel mit seinem Namen und er selbst steht zusammen mit einem Bär ein paar Meter weiter auf der Erde. Das ist sicher nicht die Folge eines dummen Jungenstreiches, sondern hat bestimmt was zu bedeuten. Ich muss mich belesen …

Auch auf den Schlossturm bin ich noch geklettert, der zumindest in zwei Richtungen einen tollen Ausblick bietet. Im Norden war eine Reihe von Felsen zu erkennen, die aus einer flachen Umgebung ragen, darunter der Kleine und der Große Gegenstein. Solche Fels­formationen, darunter die Teufelsmauer, habe ich gestern schon auf dem Weg nach Bad Suderode in der Ferne gesehen. Es lohnt sich bestimmt, die alle mal zu Fuß oder per Fahrrad abzuklappern. Da die Felsen in der Ebene stehen, sind sie leicht zugänglich.

Den Weg vom Ballenstedter Schloss ziemlich steil bergab in die Stadt hinein bildet eine Allee ähnlich der Berliner Straße „Unter den Linden“. Auf einem mit Bäumen bestandenen und damit schattigen Mittelstreifen kann man schön spazieren oder sich auf einer der Bänke niederlassen. Beidseits der Allee sind recht ordentliche Häuser aufgereiht, darunter auch ein paar schöne Fachwerkhäuser. Da es noch beste Mittagszeit war, bin ich in eine recht ansprechende und gut besuchte Döner-Gaststätte eingekehrt. Hier war der 7€-Döner wirklich mal sein Geld wert. Der war ziemlich riesig und hatte reichlich Fleisch mit einer leckeren Soße - und war obendrauf mit Oliven und Peperoni garniert, was ich bisher noch nicht gesehen habe.

Weiter ging es nach Meisdorf und zum drei Kilometer entfernten Forsthaus Friedrichs­hohenburg, wo ich mich zur Übernachtung angemeldet hatte. Wegen der vielen Bummelei unterwegs war es schon um sechs, als ich ankam. Nach Anruf der angeschlagenen Nummer kam zehn Minuten später eine Dame mit dem Auto, hat mir aufgeschlossen und alles erklärt. Die U-förmig angeordneten Häuser der ehemaligen Försterei sind jetzt mit Touristen­unterkünften bestückt. In meinem Trakt sind diese wie eine Jugendherberge ausgestattet: zwei Räume mit je drei Doppelstockbetten und einer mit zwei Einzelbetten. In allen Räumen außerdem Regale, Tische und ausreichend Stühle. Dazu zwei sehr komfortable Bäder. Wie die anderen Unterkünfte ausgestattet sind, weiß ich nicht. Auf mein Betteln hin hat mir die Dame auch noch die Gemeinschaftsküche aufgeschlossen, damit ich meine Sachen im Kühlschrank unterbringen bzw. an einem richtigen Küchentisch verzehren kann. Hier sitze ich jetzt mit einem „Ur-Krostitzer“, das ich von Ballenstedt bis ins Forsthaus geschleppt habe.


St. Jakobus Pilgerweg Sachsen-Anhalt - Tag 10

Bad Suderode, Villen in der Brinkstraße
Bad Suderode, Behringer Brunnen (Kalziumquelle) vor dem Kurhaus
Bad Suderode, Kurhotel in der Schwedderbergstraße
Bad Suderode, Villa Anna in der Schwedderbergstraße
Gernrode, Stiftskirche St. Cyriakus (erbaut ab 959) von Westen
Gernrode, Stiftskirche St. Cyriakus von Norden
Gernrode, Stiftskirche St. Cyriakus; Kanzel und Altarraum
Gernrode, Stiftskirche St. Cyriakus; Orgelempore über der Westkrypta
Gernrode, Stiftskirche St. Cyriakus; Ostkrypta unter dem Chor
Gernrode, Stiftskirche St. Cyriakus; Heiliges Grab im südlichen Seitenschiff (Nachbildung des Grabes Christi)
Gernrode, Stiftskirche St. Cyriakus; Kreuzgang
Gernrode, Stiftskirche St. Cyriakus; Stiftshof mit Blick auf den Kreuzgang
Gernrode, Geschäftshaus in der Clara-Zetkin-Straße
Gernrode, Marktstraße
Der Weg von Gernrode nach Ballenstedt
Die Landschaft zwischen Gernrode und Ballenstedt
Der Weg führt entlang des ehemaligen Bahndamms
Ballenstedt, Schlosspark und Schloss
Ballenstedt, goldener Löwe im Schlosspark. Eine 200 Jahre alte gusseiserne Plastik
Ballenstedt, Schloss
Ballenstedt, Modell der ehemaligen Burganlage
Ballenstedt, Schlosshof mit dem Denkmal für Albrecht den Bären. Der steht neben dem Denkmalssockel.
Ballenstedt, Schlosshof
Ballenstedt, Schlosskirche
Ballenstedt, Grablege von Albrecht dem Bären
Ballenstedt, Fenster im Turm der Burg
Ballenstedt, Erklärung der Aussicht neben dem Fenster
Ballenstedt, Blick auf den Großen Gegenstein (rechts)
Ballenstedt, die vom Schloss in die Stadt führende Allee
Ballenstedt, die vom Schloss in die Stadt führende Allee
Ballenstedt, ein Haus (Nr. 44) in der Allee
Ballenstedt. Mittagessen im Dönerladen an der Allee
Ballenstedt, Bärenbrunnen auf dem Anhaltiner Platz
Ballenstedt, Schloßstraße vor der Einmündung in den Breitscheidplatz. Im Hintergrund der Oberturm
Ein Rastplatz am Weg von Ballenstedt nach Meisdorf mit Erklärungen zum Opperöder Steinkohlenbergbau
Eine Lichtung im Wald zwischen Ballenstedt und Meisdorf
Meisdorf, Schloss
Meisdorf, Gaststätte „Kleine Auszeit Zum Selketal“ in der Allee
Meisdorf, Altstofftrennung in der Gaststätte „Kleine Auszeit Zum Selketal“
Meisdorf, Haus in der Hauptstraße (Nr. 20), gegenüber der Badegasse
Meisdorf, Patronatskirche an der Hauptstraße
Meisdorf, Straße „Im Winkel“. Grabmal an der Patronatskirche
Die Landschaft hinter Meisdorf
Blick auf Ermsleben (Falkenstein/Harz)
Forsthaus Friedrichshohenberg
Forsthaus Friedrichshohenberg, Innenhof mit (nur gelegentlich geöffneter) Gaststätte
Forsthaus Friedrichshohenberg, Herberge
Forsthaus Friedrichshohenberg, ein Zimmer in der Herberge