Unterwegs auf dem St. Jakobus Pilgerweg Sachsen-Anhalt von Vehlen nach Freyburg

Tag 11 (So, 19.7.2026) Vom Forsthaus Friedrichshohenberg nach Hettstedt / 23,1 km

Ich habe im einsamen Forsthaus vorzüglich geschlafen, obwohl mir nachts wiederholt Loriots Adventsgedicht („…Und in der guten Stube drinnen, da läuft des Försters Blut von hinnen…“) in den Sinn kam.

Es war morgens regelrecht kühl. Der Himmel war mit Wolken bedeckt und es wehte ein frischer Wind. Ehe ich in der Spur war, hatten sich aber die Wolken verzogen und die Sonne schien herab.

Mein erster Stopp war schon zwei Kilometer weiter: die Konradsburg. Da kann man, schön auf einer Bergkuppe gelegen, die Reste einer einst riesigen Klosterkirche besichtigen. Übrig ist da nur der als Hochzeitskirche genutzte Chor und die darunter befindliche Krypta. Der Rest ist schon vor langer Zeit abgerissen und im 19. Jahrhundert mit Wohnhäusern bebaut worden. Mittendrin steht noch ein Brunnenhaus, in dem ein Esel im Tretrad den Wassereimer nach oben befördert hat.

Es ging dann vorbei an mehreren kleinen Orten. In Alterode hatte ich Glück, dass ich vom Glockengeläut angelockt, pünktlich zum Sonntagsgottesdienst kam. Der Pfarrer, ein 77jähriger Ruheständler mit einem dem meinen ähnlichen Bart hat ganz ordentlich gepredigt und alle Lieder mit der Blockflöte begleitet! Ich konnte mit meinem knurrenden Bass die Stimmen der vier anwesenden Damen hervorragend ergänzen.

Um die Mittagszeit gab es mal etwas Regen, aber auch wieder Kirschen am Wegesrand. Nur Gaststätten gab es keine. Selbst in Hettstedt musste ich bis ins Zentrum laufen, um wenigstens einen Döner zu bekommen. Außerdem gab es rings um den Markt nur noch eine Pizzabude und einen Inder mit kurzen Öffnungszeiten sowie einen sonntags geschlossenen Chinesen.

Ich hatte mich hier beim Pfarrer, der übrigens einer der Initiatoren dieses Weges ist, als Schlafgast angekündigt und habe nach einer ausführlichen Kirchenführung durch St. Jacobi das Gästezimmer im Gemeindehaus zugewiesen bekommen - etwas spartanisch, aber völlig ausreichend.

Mein Ansinnen, abends das Finale der Fußball-WM (Spanien gegen Argentinien) in einer der Kneipen anzuschauen, scheiterte daran, dass es in der Dönerbude keinen Fernseher und in der Pizzeria kein Bier gab. Obwohl WLAN nicht funktionierte, konnte ich das Spiel aber mit dem Smartphone auf dem Küchentisch und einer Tasse Tee in der Hand verfolgen. Mit dem Ergebnis (1:0 für Spanien) bin ich zufrieden. Das Spiel ist ja zum Glück ohne Schwer­verletzte ausgegangen.


St. Jakobus Pilgerweg Sachsen-Anhalt - Tag 11

Der Weg vom Forsthaus Friedrichshohenberg zur Konradsburg
Der Eingang zur Konradsburg. Sie wurde 1021 erstmals erwähnt.
Konradsburg, Nordflügel des Klausurbereichs der ehemaligen (1133 gegründeten) Benediktinerabtei
Konradsburg, Brunnenhaus über einem 50 Meter tiefen Brunnenschacht
Konradsburg, Laufradhaspel im Brunnenhaus. Sie wurde zuletzt von einem italienischen Esel bedient.
Konradsburg. Die jetzige Kirche ist der Chor einer einst mächtigen, fünfschiffigen Basilika.
Konradsburg. Die Krypta der Kirche ist eine fünfschiffige Halle, getragen von Säulen und Pfeilern.
Konradsburg, Kirche
Die Landschaft nahe der Konradsburg
Rastplatz am Jakobsweg zwischen der Konradsburg und Neuplatendorf
Infotafel am Jakobsweg zwischen der Konradsburg und Neuplatendorf
Neuplatendorf, Sixtuskirche
Die Landschaft hinter Neuplatendorf
Die Landschaft hinter Neuplatendorf
Ulzigerode, Turm der Dorfkirche
Blick auf Alterode
Alterode, St.-Vitus-Kirche hinter den Häusern
Alterode, St.-Vitus-Kirche. Saalkirche 1718 erbaut, Turm und Chor sind älter.
Alterode, St.-Vitus-Kirche. Blockflöte statt Orgel. Der 77jährige Vertretungspfarrer gibt den Ton an.
Alterode, St.-Vitus-Kirche. Zweistöckige Emporen auf beiden Seiten
Alterode, St.-Vitus-Kirche. Orgel 1797 für die Leipziger Peterskirche geschaffen und 1886 umgesetzt.
Alterode, St.-Vitus-Kirche. Kanzelaltar 1. Hälfte 18. Jh.,
Alterode, Remise des Schlosses Harkerode. Umbau zu einer generationsübergreifenden Freizeiteinrichtung
Burg Arnstein. Im 12. Jh. auf einer mittelalterlichen Befestigung erbaut. Seit dem 19. Jh. romantische Ruine
Burg Arnstein, wiederholt als Filmkulisse genutzt
Sylda, Turm der Dorfkirche
Sylda, Gedenkstein für den steckbrieflich gesuchten Wilddieb G. W. Gangloff (1794-1834), der hier wohnte
Die Landschaft zwischen Sylda und Walbeck
Walbeck, Schloss
Walbeck, Schloss. Es wurde vermutlich 1750 vollendet.
Walbeck, Planteurhausteich
Walbeck, Planteurhaus
Wiederstedt, Kirche
Wiederstedt, Schloss Oberwiederstedt (Novalis-Museum)
Hettstedt, Luisenstraße an der Wipper
Hettstedt, die Straße „Freimarkt“ mit Saigertor (1535 errichtet)
Hettstedt, Markt
Hettstedt, St.-Jakobi-Kirche, Baubeginn 1418, 1475 Turmspitze aufgesetzt, 1517 Gewölbe geschlossen
Hettstedt, St.-Jakobi-Kirche
Hettstedt, St.-Jakobi-Kirche
Hettstedt, St.-Jakobi-Kirche
Hettstedt, St.-Jakobi-Kirche
Hettstedt, St.-Jakobi-Kirche. Der Hl. Jakobus am Aufgang zur Kanzel
Hettstedt, Stadtwappen mit dem Hl. Jakobus