Wilsnackfahrt (Mittelalterlicher Pilgerweg von Berlin nach Bad Wilsnack)
Von Berlin nach Hennigsdorf

Tag 1 (Do, 28.7.2022) Von Berlin nach Hennigsdorf

Jetzt bekomme ich schon bei der ersten Etappe auf dem Pilgerweg Berlin - Bad Wilsnack ein Nummerierungsproblem. Das Stück von Berlin nach Hennigsdorf gehört selbstverständlich zum Weg dazu. Aber der Kalender lässt es nicht zu, dieses Stück und den Rest bis nach Wilsnack hintereinander zu laufen, denn ich kann nicht vor dem 21. August starten und in weniger als sechs Tagen will ich nicht von Hennigsdorf nach Bad Wilsnack laufen, obwohl das sicher machbar wäre.

Also laufe ich vorher schon mal einen Tag vom Berliner Alexanderplatz nach Hennigsdorf - und zwar heute, Donnerstag den 28. Juli 2022. Es ist schönes, nicht zu warmes Wetter angesagt und es sind Ferien, so dass es (von der Stadtmitte abgesehen) nicht so voll in der Stadt ist.

Ich fahre morgens kurz nach sieben mit dem 390er Bus nach Ahrensfelde, mit der S7 nach Lichtenberg und mit der U5 zum Alex. In der S7 sitzen bleiben geht leider nicht, weil wegen Bauarbeiten zwischen Ostbahnhof und Friedrichstraße Schienenersatzverkehr besteht. S- und U-Bahn sind ziemlich voll, aber auf dem Alex und in der Rathausstraße ist es ganz leer. Punkt acht stehe ich vor der St. Marien-Kirche zu Füßen des Fernsehturms, die für mich als Anfang des Pilgerweges nach Bad Wilsnack gilt. Die ist natürlich um diese Zeit noch verschlossen, erst um 10.00 Uhr wird geöffnet. Es wird also nichts mit dem ersten Stempel im Pilgerpass, aber ich lasse ein Feld frei, diesen Pilgerstempel hole ich mir noch!

Ich habe übrigens einen ganz zünftigen Pilgerpass extra für diese Tour, mit historischen Pilgern und den drei Wunderbluthostien auf dem Deckel. Den habe ich mir schon damals bei der Kur besorgt, jetzt soll er endlich zum Einsatz kommen. Vor der Marienkirche steht Martin Luther rum, den wir es zu verdanken haben, dass hier und anderswo das Pilgern für lange Zeit eingeschlafen ist. Schräg gegenüber ist der Neptunbrunnen. Der alte Herr mit der Gabel in der Hand hat schon reichlich Grünspan angesetzt, die Damen ringsherum, angeblich die einzigen Berlinerinnen, die den Rand halten können, sind hingegen an einigen interessanten Stellen ziemlich abgegriffen. Na, irgendwann wird es schon verboten werden, die Damen ausgerechnet da zu berühren. Über die Kreuzung rüber geht es in die Spandauer Straße und vorbei an der ehemaligen Heilig-Geist-Kapelle, die jetzt schon seit vielen Jahren eine Mensa ist und nicht besichtigt werden kann. Da man früher hier die Stadt verließ wird mitunter auch diese Kapelle als Startpunkt der Tour nach Bad Wilsnack ausgewiesen.

Der Weg biegt am S-Bahnhof Hackescher Markt, ursprünglich „Börse“ und später „Marx-Engels-Platz“ genannt, nach links ab und führt zum Spree-Ufer, wo sich im Sommer vor allem abends Unmengen vorwiegend junger Leute in Strandbars tummeln. Entlang der Spree geht es in Richtung Friedrichstraße, unter der S-und Fernbahn hindurch und entlang des Monbijouparks bis zur gleichnamigen Straße, die links über zwei Spreebrücken am Bodemuseum vorbei zum Kupfergraben führt. Unser Weg biegt hier aber rechts ab zur Oranienburger Straße, wo es nach links geht.

Nach ein paar Metern steht man vor der Neuen Synagoge, deren filigrane goldene Kuppel weithin leuchtet. Leider ist es nötig, dass Tag und Nacht Polizisten davor Wache halten und der Fußweg mit Pollern gegen Anschläge mit Fahrzeugen gesichert werden muss. Aber immerhin darf man, wenn auch nicht so früh am Morgen, das Museum in der Synagoge besichtigen.

An der nächsten Ecke (Tucholskystraße) steht das stattliche ehemalige Postfuhramt, in dem es früher an Postkutschen und zugehörigen Pferden wimmelte. Wie ein großes Schild an einer Laterne verrät, war hier früher auch eine bedeutende Rohrpoststation. Das mit der Rohrpost war seinerzeit keine schlechte Erfindung: kaum Beeinträchtigung durch Corona-bedingte Personalausfälle und nicht viel langsamer als das in Berlin übliche Internet.

Ein Stück weiter wird auf der linken Straßenseite kräftig gebaut. Dort, wo das im Krieg ausgebrannte und nach der Wende als „Tacheles“ bekannte ehemalige Warenhaus kurz vor der Ecke Oranienburger/Friedrichstraße stand, entsteht ein Komplex an Häusern mit Geschäften, Büros und Wohnungen. Letztere sind laut Webseite schon für knapp unter einer Million zu haben, die Spanne reicht aber bis 4,3 Millionen. Da ist also für eine gute Mischung von arm und reich gesorgt.

Die Kneipen in der Oranienburger werden sich wohl ähnlich wie an manchen Stellen im Prenzelberg bald dem neuen Publikum anpassen und ihre Urigkeit einbüßen.

Der Jakobsweg führt an der Ecke rechts in die Friedrichstraße und verläuft dann immer geradeaus bis nach Hennigsdorf. Ich bin jetzt praktisch auf der Zielgeraden, gut 20 km vor dem Ziel. Nach hundert Metern, da wo von rechts die Torstraße kommt, wird aus der Friedrichstraße die Oranienburger Straße. Links an der abgeschrägten Ecke standen früher Tag und Nacht zwei Herren herum, die frühzeitig ostdeutsche Passanten erkennen sollten, die auf dem Weg zur westdeutschen Vertretung in der Hannoverschen Straße waren. Ob ihnen das gelungen ist, weiß ich nicht, die „Diensthabenden“ hätte ich hingegen nach ein paar Mal vorbeifahren auch in der Straßenbahn erkannt.

Ein Stück weiter kreuzt die Invalidenstraße, die rechts zum Nord- und links zum Hauptbahnhof führt. An der Ecke ein Neubau der Humboldt Uni, der leider erst nach meinem Studium fertig wurde, denn da wäre meine Sektion gewesen. Wir mussten einmal wöchent­lich zum Naturkundemuseum, wo in einem Anbau der Physikunterricht oder Ähnliches stattfand. Danach ging es dann immer zum Walter-Ulbricht-Stadion, nach Ulbrichts Bart kurz „Zickenwiese“ genannt, zum Sportunterricht, der fast ausnahmslos aus Fußball bestand. Den Abschluss fand der Tag oft in einer kleinen, gegenüber liegenden Kneipe, die köstliche Berliner Weiße hatte.

Vor ein paar Jahren hat sich der BND auf der Zickenwiese bereitgemacht. Die moderne, aber eintönige Fassade des riesigen Neubaus und der endlos lange Zaun um den Komplex sind nicht unbedingt eine Bereicherung der Innenstadt. Da war Mielke mir seinem Bau weit draußen an der Normannenstraße deutlich bescheidener.

Dass kurz dahinter früher die Grenze verlief, ist nicht mehr zu erkennen. Und dass man in der U-Bahn unter der Straße wiederholt die Fronten wechselte, ist sicher nicht jedem Nutzer der U6 bewusst. Hier wechselte die aus Alt-Tegel kommende Bahn vom Westen in den Osten, fuhr ohne Halt bis Friedrichstraße, wo man auf dem Zwischenbahnsteig im Intershop billig Schnaps und Zigaretten kaufen konnte, und unterm Checkpoint Charlie wieder in den Westen mit dem Ziel Alt-Mariendorf.

Die Chausseestraße kreuzt jetzt die Panke und damit den Jakobsweg entlang der Via Imperii von Stettin nach Leipzig, der von Bernau bis ins Berliner Stadtzentrum fast ausschließlich entlang dieses Baches verläuft.

Hinter den Wohnhäusern auf der rechten Seite gabelt sich die Panke. Ein Teil fließt als „Südpanke“ teils unter-, teils oberirdisch hinter der BND-Zentrale entlang, durch das Charité-Gelände bis zum Bahnhof Friedrichstraße, wo sie in die Spree mündet. Der größere Teil fließt aber geradewegs unter der Straße hindurch und am Eisstadion vorbei direkt in die Spree. Kurz darauf wird die Chausseestraße zur Müllerstraße, die gleich nach dem Mauerfall mal als Einkaufsstraße galt.

An der ersten Kreuzung stehen die markanten Gebäude des einstigen Schering-Konzerns, der längst von Bayer geschluckt wurde. Damals, beim Sport auf der Zickenwiese, fiel der Blick immer auf diese seinerzeit sehr modernen Gebäude, die so nah waren und doch in einer anderen Welt standen.

Vorbei an Dönerbuden, Wettbüros, Kneipen, Fahrschulen und türkischen Gemüseläden laufe ich die Müllerstraße gen Norden, vorbei am Leopoldplatz, wo sich noch ein Kaufhaus gehalten hat, über die Seestraße hinweg, die dreißig Jahre unser Flughafenzubringer war, immer weiter hinein in den Wedding. Das Schillerpark-Center am gleichnamigen Park hat leider dicht gemacht, nachdem der Hauptmieter dort ausgezogen ist.

Nennenswert sind an der Müllerstraße noch das französische Kulturzentrum Centre Francaise, das durch einen kleinen Eiffelturm am Straßenrand auf sich aufmerksam macht, und der Busbahnhof (tolles Wort!) Müllerstraße etwa am U-Bahnhof Afrikanische Straße. Der liegt fast versteckt auf dem Innenhof einer Wohnbebauung, die durch ihre strenge Klinker­fassade auffällt. Die Straßen ringsum tragen Namen ehemaliger Kolonien, was allein schon den Zorn einiger Wichtigtuer hervorruft, die Petersallee, benannt nach Carl Peters, dem Gründer der Kolonie Deutsch-Ostafrika, setzt dem Ganzen die Krone auf. Aber der Herr soll wohl tatsächlich nicht sehr zimperlich gewesen sein.

Am Kurt-Schumacher-Platz, wo früher die in Tegel landenden Flieger mit einem Mordskrach dicht über den Häusern hinweg flogen, wird die Müllerstraße zur Scharnweberstraße. Hier ist nochmal richtig Leben mit vielen Geschäften und Gaststätten. Eine Currywurstbude fand ich sehr verlockend, aber die Verkäuferin hatte so viel mit einem Bekannten zu bequatschen, dass ich da nicht störend dazwischen gehen wollte. Nach dem „Schumi“ wird es fast gemächlich. Hinter den Häusern kommt die U-Bahn aus der Erde, um von hier bis kurz vor Alt-Tegel immer entlang der Straße als Hochbahn zu verkehren.

Es geht hinweg über die Autobahnzufahrten zur A111, von denen eine in dem Tunnel verschwindet, der unter dem ehemaligen Flughafengelände verläuft. Auffällig ist, dass überall in der Stadt die Wegweiser zum Flughafen noch immer nach Tegel zeigen. Selbst da, wo sie als Zusatzschilder neben den eigentlichen Wegweisern angebracht sind, hat man sie nicht entfernt. Gelebte Nostalgie!

Mein Weg kreuzt kurz nach den Autobahnzufahrten die U-Bahnlinie und die Autobahn A 111, die unterquert werden. Hier wird die Scharnweberstraße zur Seidelstraße.

Links trennt mich ein Zaun und ein ziemlich wüster Waldstreifen vom früheren Quartier der französischen Besatzungstruppen. Daran erinnern die Namen der dorthinein führenden Straßen: „Avenue Jean Mermoz“ und „Allee St. Exupéry“. Auf der rechten Straßenseite befinden sich ausgedehnte Kleingartenanlagen, hinter denen die OTOS-Werke zu sehen sind, wo Fahrstühle und Rolltreppen gebaut werden.

Nach einem etwas größeren Waldstück auf der linken Seite führt die Straße an der Justiz­anstalt Tegel vorbei, einem von hohen Mauern mit Türmen und Stacheldraht umgebenen Gebäudekomplex, aus dem die Türme der Anstaltskirche herausragen. Davor befinden sich entlang der Straße Wohn- und Verwaltungsgebäude. In einem dieser Häuser ist der „JVA-Shop“, in den die von „Knackis“ in den Werkstätten der Anstalt gefertigten Artikel verkauft werden. Der Laden hat nur einmal in der Woche offen - donnerstags, so habe ich das Glück, da mal reinzuschauen. Drinnen erwarten mich fast ausschließlich Vogelhäuschen sowie Zettelkästen und -boxen. Im Vorgarten sind noch diverse Schmiedearbeiten wie Gartentüren und Fahrradständer ausgestellt, alles gut bewacht von einem Justizbeamten.

Ein Stück weiter, hinter der Holzhauser Straße wird mein Weg links von Wohnblocks im Grünen und rechts von Gewerbeeinrichtungen begleitet, die U-Bahn verschwindet wieder unter der Erde. Dann wird es zumindest auf der linken Straßenseite interessant.

An der U-Bahnstation „Borsigwerke“ markiert links ein nunmehr frei stehender Torbogen die Einfahrt zur früheren Lokomotivenfabrik. Im Hintergrund sind dort noch große Hallen und der alles überragende Borsigturm, ein markantes Bürohochaus, zu sehen.

Gleich darauf folgt links das Einkaufscenter „Hallen Am Borsigturm“ und danach eine große Feuerwache, in der sich auch das Berliner Feuerwehrmuseum befindet, das drei Jahre geschlossen war, um dort einen Fahrstuhl einzubauen! Zu übersehen ist das Museum nicht, auch wenn sein Eingang auf der Rückseite des Gebäudes liegt, denn vorn kommt eine Feuerwehr aus der Fassade gefahren und an der Grundstücksecke steht ein gelber Rettungshubschrauber.

Ein Stück weiter lockt mich der Wegweiser zu einer offenen Kirche links in die Brunowstraße. Dort steht tatsächlich am Brunowplatz die Tür der katholischen Herz-Jesu-Kirche offen. Es ist eine typische Berliner Stadtkirche, wenn auch zu ihrer Bauzeit (1905) Tegel noch gar nicht zu Berlin gehörte. Im Innern sieht die rote Backsteinkirche frisch renoviert aus, obwohl die letzte Renovierung der dreischiffigen Kirche mit Kreuzrippengewölbe schon fast 20 Jahre zurückliegt.

Wenn ich schon einmal so tief nach Alt-Tegel vorgedrungen bin, kann ich mich hier auch noch ein wenig umsehen. Über den Medewalder Weg und die Straße Alt-Tegel komme ich zur evangelischen Dorfkirche, die aus den Jahren 1910/11 stammt. Die ist nicht so nach meinem Geschmack, da kann ich es verkraften, dass die nicht zugänglich ist. Dafür stehen in dem kleinen Park vor der Kirche ein paar Bänke im Schatten, da kann ich gut einen Moment ruhen.

Wieder ganz fit laufe ich nun auch noch das Stück bis zur Havel, wo gerade ein großer „Dampfer“ ablegt. Am Aufstieg zur „Sechserbrücke“ nehme ich rechts den Weg, der am Wasser entlang zum Tegeler Hafen führt. Rechts sind schön im Grünen gelegen Wohn­blocks, links fällt der Blick übers Wasser auf die Humboldtinsel mit ihren modernen Mehrfamilienhäusern. Im Gegensatz zu meinem letzten Besuch im Herbst liegen nun auch die passenden Boote vor den noblen Häusern.

Im Tegeler Hafen treffen das Tegeler Fließ und der Nordgraben aufeinander. Das Tegeler Fließ, das früher die Tegeler Mühle angetrieben hat, umschließt die Humboldt-Insel, im Norden allein und in Süden zusammen mit dem Nordgraben. In den ehemaligen Hafen­becken, die jetzt von teuren Mehrfamilienhäusern umstanden sind, haben verschiedene Wasservögel ihre Nester gebaut. Ich schaue eine ganze Weile einem Paar Blesshühnern zu, das bemüht ist, seine vier Jungen zu wärmen, zu füttern, zu beaufsichtigen und aus dem Wasser zu holen, wenn sie beim Rumklettern im Nest reingefallen sind. Es fällt mir schwer, mich da loszureißen, aber ein Stück habe ich noch vor mir.

Auf der Straße „Am Tegeler Hafen“ komme ich wieder zur Berliner Straße, die ab hier Karolinenstraße heißt und in der Tegeler Forst hineinführt.

Ich biege also links ab und laufe auf dem Fuß-/Radweg entlang der Karolinenstraße bis zu dem scharfen Knick, wo links der „Alte Fritz“ und rechts der „Wiesenstein“ auf Gäste warten. Der Jakobsweg verläuft hier geradeaus als „Ruppiner Chaussee“ in den Wald hinein. Auf der Straße ist nicht viel los, hier fahren fast nur Busse.

Allmählich nähert sich die Straße der Autobahn, die zwar nicht zu sehen, aber zu hören ist. Ein ganzes Stück verläuft die Ruppiner Chaussee unmittelbar neben der Autobahn, aber wegen der Schallschutzmauer, die eher eine Sichtschutzmauer ist, sieht man nichts von den Autos die dort vorbeidonnern. Aber als links die ersten Häuser zu sehen sind, ist plötzlich Schluss mit dem Krach, denn die Autobahn verschwindet am Ortseingang von Heiligensee für ein paar hundert Meter im Tunnel. Hinter dem Tunnel schwenkt sie nach rechts, um eine große Einrichtung der Polizei herum.

Die Ruppiner Chaussee führt jetzt parallel zur S-Bahn, die sich auf der linken Seite dazugesellt hat, am nördlichen Rand von Heiligensee entlang. Die S-Bahnhöfe Schulzendorf und Heiligensee, die dicht an der Straße liegen, verleiten dazu, abzubrechen und von hier mit der S-Bahn nach Hause zu fahren. Aber nun habe ich mir vorgenommen, diese wenig pilgerfreundliche Strecke zu laufen, da mache ich das auch bis zum Schluss.

Am nördlichsten Ende von Heiligensee, am Aldi, macht die Ruppiner Chaussee einen Schwenk nach rechts und verschwindet im Wald. Hier ist der Berliner Stadtrand und damit die frühere Grenze zwischen Westberlin und der DDR. Ein Stück weiter ist eine Schneise im Wald, in der einst die Mauer und die sonstigen Sperranlagen verliefen. Ein Schild erinnert daran, dass hier bis zum Januar 1990 Deutschland und Europa getrennt waren.

Die Chaussee führt vorbei an der Siedlung Neubrück zu einem Kreisverkehr, wo es praktisch geradeaus geht. („Die zweite Ausfahrt“ würde Uschi aus dem Navi sagen.) Aus der Ruppiner Chaussee ist am Kreisverkehr die Ruppiner Straße geworden. Diese überquert die Havel und führt nach Hennigsdorf hinein. An der nächsten Kreuzung geht es links nach Spandau (Hauptstraße) und recht nach Velten (Berliner Straße). Ich folge etwas ungläubig dem Wegweiser zum Bahnhof, der auf ein Wohngebiet zeigt. Und tatsächlich treffe ich hinter den Neubaublocks auf einen kleinen Platz, an dem der Bahntunnel mit den Zugängen zu den Bahnsteigen abzweigt. Die S-Bahn, die ich gern erreicht hätte, ist gerade weg. Nun habe ich fast eine Stunde Zeit, denn von Ahrensfelde fährt ja nur einmal stündlich ein Bus nach Mehrow.

Mein Weg führt mich zunächst in die Touristeninformation im Erdgeschoss des kreisrunden Rathauses am Rand des Platzes. Da ist gerade noch offen und zu meiner Überraschung und Freude hat die Dame am Tresen sogar einen Pilgerstempel zu bieten. Das ist der erste in meinem Pilgerpass für den Weg nach Bad Wilsnack. Ein Feld davor habe ich aber frei gelassen. Da kommt noch ein Stempel der Berliner St. Marienkirche rein, wenn ich da mal zur Öffnungszeit reinkomme.

Auf der anderen Seite des Tunnels ist der große Bahnhofsplatz. Da nehme ich in einer Imbissbude noch was zu mir, bis ich in die S-Bahn nach Hause steige.


Wilsnackfahrt - Tag 1, von Berlin nach Hennigsdorf